Der erste Eindruck kann täuschen

Söldner Bd. 2: Die Drekkars

Söldner Bd. 2: Die Drekkars

Söldner Bd. 2: Drekkars

Text: Fabrice David
Zeichnungen und Farbe: Eric Bourgier
Übersetzung: Tanja Krämling
Verlag: Splitter

Holla, so kann ein erster Band täuschen. In der Kritik zu diesem (im Fandom Observer 237) hatte ich mich noch eher enttäuscht über diese Fantasy-Serie geäußert, da sie mir zu sehr auf ausgelatschten Bahnen verlief. Doch mit dem zweiten Band wechselt das Autorenpaar die Perspektive und beschreibt die Zivilisation der Drekkars, die im Einführungsband nur als gesichtslose Bösewichter auftauchten. Die Autoren entwerfen ein faszinierendes Bild einer in Kasten aufgeteilten Gesellschaft, die sich in einen Berg zurückgezogen hat und von einem absoluten Alleinherrscher regiert wird.

Obwohl in diesem Band die Drekkars dem Leser näher gebracht werden und man für einige von ihnen Sympathien entwickeln kann, verlieren sie niemals ihre Bedrohlichkeit, denn ihre Zivilisation bleibt fremdartig genug, um zu ahnen, daß zwischen den Drekkars und der von ihnen als Das Draußen bezeichneten Außenwelt nie Frieden geben kann.

Erzählt wird die Geschichte eines Aufstandes von Drekkars, die sich gegen die von den Drachen beeinflusste Gesellschaft wendet und ihre Hauptstadt Farkas verlassen will. Dazu werden die Sklaven, auf denen die Drekkar-Zivilisation beruht, zum Aufstand angestachelt und damit die hinter dem Herrscher stehenden Drachen gezwungen, zugunsten des größeren Wohls die Abtrünnigen gehen zu lassen.

Nach einem eher konventionellen ersten Band steigern sich die Autoren mit ihrem zweiten Buch ganz erheblich. Bleibt nur zu hoffen, daß für die nächsten Bände dieses Niveau gehalten werden kann. Dann kann man sich auf eine großartige Fantasy-Serie freuen.

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Im Heiligen Land

Das fünfte Evangelium

Das fünfte Evangelium

Das fünfte Evangelium Bd. 1: Die Hand der Fatima

Text: Jean-Luc Istin
Zeichnungen: Thimothée Montaigne
Übersetzung: Tanja Krämling
Verlag: Splitter

Im Juli-Newsletter wurde dieser erste Band von Dirk Schulz mit den Worten seines Sohnes eingeführt: »Woow, Ihr macht Assassins als Comic!« Gemeint war damit natürlich das Videospiel »Assassins Creed«, eines der erfolgreichsten Spiele der letzten Zeit. Nachdem ich das Cover Zu Gesicht bekam, wusste ich auch, wie Dirks Sohn auf diese Idee kam. Ob diese Ähnlichkeit nur Zufall oder beabsichtigt ist, kann ich nicht sagen, aber sie ist schon sehr auffallend. Auch von der Geschichte her gibt es einige Ähnlichkeiten, da auch dieser Comic zwischen dem ersten und zweiten Kreuzzug spielt, als sich die europäischen Kreuzfahrer im Heiligen Land festsetzen, Jerusalem erobern und ihren Kreuzfahrerstaat gründen konnten, die Zeit zu der auch »Assassins Creed« spielt.

Mein erster Gedanke bei diesem Comic gingen allerdings in eine andere Richtung, schließlich gibt es bei »Splitter« bereits eine Serie, die sich mit den Kreuzzügen beschäftigt, die passenderweise einfach »Kreuzzug« heißt. Doch wo diese Serie einen gehörigen Anteil Fantasy aufweist und in einer alternativen Welt spielt, bemüht sich »Das fünfte Evangelium« um historische Genauigkeit. Der erste Band spielt zum Großteil in Jerusalem während der ersten Jahre unter der Regierung von Balduin VI., dem leprakranken König. Die Geschichte selber scheint nach dem ersten Band ziemlich im Fahrwasser von »Illuminati« und »Sakrileg« zu schwimmen. Es geht um ein verschwundenes Evangelium, eine Mordserie in Jerusalem, eine Geheimgesellschaften und die Hauptperson ist ein geistlicher Gelehrter, wie sie seit »Name der Rose« beliebt sind.

Nach dem ersten Band ist es jedoch noch zu früh, zu beurteilen, ob diese Geschichte einen eigenen Stil entwickeln kann oder als Imitat stecken bleibt. Eine Chance hat sie jedenfalls verdient, denn der Comic hat durchaus gute Ansätze, mit denen sie bei Mystery-Fans punkten kann. Warten wir mal den nächsten Band ab, der allerdings erst im März 2010 erscheinen wird.

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Ein ganz ein böser Bube

Frank Millers Bad Boy

Frank Millers Bad Boy

Bad Boy
Autor: Frank Miller
Zeichner: Simon Bisley
Übersetzung: Claudia Fliege
Verlag: Panini-Comics

Neben seinen bekannten Werken wie »300«, »Sin City« oder »Batman, die Rückkehr des dunklen Ritters« hat Frank Miller auch viele kleine Perlen geschrieben, unter anderem dieses Werk, das er zusammen mit Simon Bisley (Lobo, Judge Dredd) geschaffen hat. Ein kleiner Junge erkennt, daß seine angeblich so perfekte Welt nur eine Illusion ist und er versucht aus diesem Gefängnis zu fliehen. Ihm zur Seite steht dabei nur eine Katze namens Adolf.

Für politisch korrekte Comics ist Miller noch nie bekannt gewesen und auch hier ist sein minderjähriger Held eher ein kleines Arschloch. Er raucht, starrt Frauen auf die Brüste und flucht wie ein Rosskutscher. Trotzdem ist dieser Comic ein einziges Plädoyer für mehr Toleranz und Meinungsfreiheit, denn im Grunde handelt die Geschichte von einer Gesellschaft, die versucht, ihren Bürgern ihr gesamtes Leben vorzuschreiben und dieses als eine menschlichere Zivilisation verkauft. Und unbeirrt versucht dieser kleine Junge immer wieder dieser Gesellschaft zu entfliehen und wird doch immer wieder zurückgebracht und Personen übergeben, die vorgeben, seine Eltern zu sein.

Diese Geschichte stammt zwar von 1997, ist aber auch nach über 12 Jahren immer noch brandaktuell, vielleicht sogar aktueller denn je, in Zeiten des Rauchverbots, der permanenten Überwachung und dem immer stärkeren Beschneiden der persönlichen Freiheiten. Da ist es umso schöner, daß Panini dieses unbekanntere Werk Frank Millers fast zehn Jahre nach seiner deutschen Erstveröffentlichung bei Schreiber & Leser wieder dem Comic-Leser zugänglich macht.

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Der erste Stich ist immer der schwerste

Buffy - Die Chroniken: Der erste Stich

Buffy - Die Chroniken: Der erste Stich

Buffy, Die Chroniken: Der erste Stich!
Skript: Dan Bereton & Christopher Golden,
Scott Lobdell & Fabian Nicieza
Zeichnungen: Joe Bennett, Cliff Richards
Übersetzung: Claudia Kern
Verlag: Panini Comics

Meine Güte, schmeißt Panini was an Comics nach Joss Whedons Figuren auf den Markt. Erst die 8. Staffel von »Buffy«, dann die 6. Staffel von »Angel« und nun auch noch eine Reihe, in der die Comics noch einmal veröffentlich werden, die parallel zur TV-Serie von »Buffy« spielen. Ja, gut, wenn’s gekauft wird.

Man muss aber zugeben, daß für den ersten Band gut aus dem Vollen geschöpft wurde. Immerhin behandelt die erste Geschichte die Ursprungsgeschichte der Vampirjägerin, aber nicht so, wie im, nach Meinung von Whedon und natürlich der Fans, gründlich misslungenen Film mit Kristy Swanson als Buffy, sondern nach Whedons Original-Drehbuch. Ob diese Geschichte wirklich so viel besser ist als die Verfilmung überlasse ich mal den Kennern des Films. Ich habe den nie gesehen und halte es auch für etwas vermessen, zu beurteilen ob ein Comic besser ist als ein Film, dafür sind die beiden Medien doch zu unterschiedlich.

Aber eins muss man diesem Comic zugestehen, er passt stilistisch und von der Geschichte her absolut zu der Fernsehserie und den aktuellen Comics, denn er trifft schon diesen Ton, der bereits die Fernsehserie aus dem Gros der Teenie-Serien herausgehoben hat: Diese Mischung aus »Beverly Hills 90210« und Dracula, garniert mit vielen originellen Einfälle, die man so noch nicht im Fernsehen gesehen hatte. Das alles kann man bereits in dieser ersten Buffy-Geschichte finden, etwa im Schicksal des ersten Wächter, der Buffy über ihr Schicksal als Jägerin aufklärt.

Dagegen fällt die zweite Geschichte, in der Buffy in Las Vegas ist, und die direkt an die erste Geschichte anknüpft, fast ein wenig ab, aber auch sie hat einige nette Ideen, wie das siamesische Zwillingspaar als Casino-Betreiber, über das ich aber nicht mehr verraten möchte.

Für Buffy-Fans ist dieser Band definitiv eine Kaufempfehlung, aber wer die Serie schon nicht mochte, wird sicher auch hier die Finger von lassen.

Ach ja, und wer glaubt,  jetzt wäre mal Schluss mit neuen Buffy-Reihen, irrt gründlich. Demnächst erscheint der erste Band mit Spike, dem Vampir, als Hauptperson.

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Irgendwo in Südfrankreich

sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis

Text und Zeichnungen: Fane & Jim

Übersetzung: Tanja Krämling

Verlag: Splitter

Hoppala, wie ist das Teil denn in das Splitter-Programm gerutscht? Keine Raumfahrer, keine Ritter, Schwertkämpferinnen oder sonstige Phantastik-Gestalten spielen hier die Hauptrolle, sondern eine völlig normale Truppe aus 5 Leuten, Mitte bis Ende dreißig, verheiratet, Kinder und darüber mehr oder minder frustriert.

Diese 5 Menschen treffen sich irgendwo in Südfrankreich für vier Tage, um eine Sonnenfinsternis gemeinsam zu erleben. Sie kennen sich alles seit ihrer Jugend und haben dementsprechend viel zusammen erlebt. Sie sind an diesem Punkt ihres Lebens, an dem man erkennt, dass diese Jugend jetzt unwiderruflich vorbei ist und ihr Leben sich nun in Bahnen eingefahren hat, die sie nicht mehr ohne weiteres verlassen können. Da ist der Mann, der mit seiner Sandkastenliebe verheiratet ist, zwei Kinder hat und nun verzweifelt versucht, mit einer neunzehnjährigen Internetbekanntschaft nachzuholen, was er seiner Meinung nach bisher verpasst hat. Der Künstler, der darüber frustriert ist, dass er mit seinen Kunstwerken kein Geld macht, sondern, in seinen Augen, mit Schund, aber dafür damit richtig viel. Und natürlich die Frau, die von einer Männerbekanntschaft zur nächsten springt, und damit ihre panische Angst verdrängt, sich fest zu binden.

Das Ganze könnte extrem banal und klischeebehaftet werden, ist es aber nicht, da die Autoren ihre Hauptfiguren immer ernst nehmen und sie nie der Lächerlichkeit preisgeben. Fane & Jim haben eine Gruppe von Menschen geschaffen, die in ihren Träumen und Wünschen immer realistisch bleiben und dem Leser das Gefühl geben, selber in solche Situationen geraten zu können und sich im Verhalten der Hauptfiguren jederzeit wieder entdecken kann.

Für mich ist Sonnenfinsternis einer der Höhepunkte dieses Comicjahrs. Klare Leseempfehlung!

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Aufgefallen:

ultimateorigins_687

Ultimate: Origins
Autor: Brian M. Bendis
Zeichner: Butch Guice
Übersetzung: Reinhard Schweizer
Ver
lag: Panini, Marvel Deutschland

Die Ultimate-Comics wurden von Marvel 2000 gestartet, um neben den langjährigen Fans neue, vor allem jüngere, Leser für ihre Hefte zu gewinnen. Daher wurden die bekanntesten Reihen, Spider-Man, X-Men, Die Rächer und Die Fantastischen Vier, einer radikalen Erneuerung unterzogen und modernisiert. Diese Hefte erschienen dann parallel zu den alten Reihen unter dem Label Ultimate und erwiesen sich als ein großer Erfolg, auch unter den Alt-Lesern.
2009 wurde auf der New York Comic Con bekannt, dass die ultimativen Reihen nach dem Ende des Ultimatum-Storybogens einem Relaunch unterzogen werden und dann unter dem neuen Label Ultimate Comics erscheinen werden. Mit Ultimate Origins beginnt nun auch in Deutschland dieser Ultimatum-Storybogen. In diesem Auftakt werden die Entstehungsgeschichten einiger wichtiger Marvel-Superhelden neu erzählt und in einen Zusammenhang gestellt, den es so in den alten Comics nie gegeben hat. Als Autor dieser im Original fünfteiligen Geschichte zeichnet Brian M. Bendis, der momentan meistbeschäftigte Autor bei Marvel.
Serienübergreifende Storybogen sind ja bei allen Comicverlagen extrem beliebt, kann man so doch die Leser dazu bringen, neben ihren Stammreihen auch andere Reihen zu kaufen, um so der gesamten Geschichte folgen zu können. Aber was Bendis hier an Verknüpfungen zwischen Captain America, Wolverine, Hulk, aber auch den Fantastischen Vier und Spider-Man herstellt, ist schon große Klasse und gibt den ganzen sonst nur lose zusammenhängenden Reihen einen Überbau, der in sich logisch und stimmig zu sein scheint.
Diese Zusammenhänge beginnen im Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung des Super-Serums, das bekanntlich zur Entstehung Captain Americas führte, und führen dann über die Bemühungen weiter, dieses Serum nach dem Verschwinden Captain Americas zu rekonstruieren, was im ultimativen Universum zur Entstehung der meisten Superhelden führen wird.
Bendis hatte man die letzten Jahre angemerkt, dass er an vielen Serien gleichzeitig schrieb und sich um keine vernünftig kümmern konnte. Hier aber hat er endlich mal wieder gezeigt, warum er zu den momentan beliebtesten Comic-Autoren gehört und einen Auftakt geschrieben, der einen gespannt auf den eigentlichen Beginn des Ultimatum-Storybogens macht. Hoffentlich kann er mit seinem Auftakt mithalten.

Coraline

Coraline

Coraline
Nach dem Roman von Neil Gaiman
Adaption und Zeichnungen: P. Craig Russell
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Verlag:

Nach Stardust ist dies wieder eine Adaption eines Romans von Neil Gaiman. Aber diesmal ist es kein illustrierter Roman, sondern ein richtiger Comic geworden. Die kleine Coraline Jones zieht mit ihren Eltern in ein neues Appartement. Da ihre Eltern nur wenig Zeit für sie haben, erkundet das kleine Mädchen auf eigene Faust das neue Haus, in dem zwei ehemalige Schauspielerinnen und ein verrückter alter Mann leben. Coraline findet auf einer ihrer Erkundungen eine Tür, die zugemauert wurde, doch dahinter verbirgt sich ein Geheimnis.
Neil Gaiman hat diesen Roman 2002 geschrieben und dafür 2003 den HUGO und den Nebula Award erhalten, sowie den Bram Stoker Award als Bestes Werk für junge Leser. Für dieses Jahr wurde auch eine Stop-Motion-Verfilmung angekündigt. Der Comic war da wohl nur die logische Folge.
Gaimans Roman wurde bereits mit Carrolls Klassiker Alice im Wunderland verglichen, und das nicht ohne Grund, denn Ähnlichkeiten zwischen den beiden Romanen sind offensichtlich, nicht nur durch das Mädchen als Heldin, sondern auch durch die Thematik einer anderen Welt neben der unseren. In dieser Welt trifft Coraline auf ihre Anderen Eltern, die immer Zeit für sie haben und ihr alle Wünsche erfüllen und die sie in dieser anderen Welt bei sich behalten wollen.
Diese Comic-Adaption ist für eine Gaiman-Geschichte ziemlich putzig geraten. Es fehlt der morbide und etwas düstere Ton, der normalerweise durch seine Geschichten zieht und ihre Faszination ausmacht. Das Problem liegt in den Zeichnungen, die sehr realistisch gehalten sind, für die Geschichte wären aber eher impressionistische Bilder passend, wie sie sich auch auf dem Romancover finden. Selbst wenn man diesen Comic von seiner Romanvorlage getrennt betrachtet, drängt sich immer ein Vergleich mit Gaimans eigenen Comicwerken auf, vor allem mit seinen Sandman-Geschichten, und dagegen bleibt dieser Comic viel zu harmlos und oberflächlich, sowohl von den Texten als auch von den Zeichnungen.

The Lost Boys: Reign of Frogs

The Lost Boys: Reign of Frogs

Lost Boys: Reign of Frogs
Autor: Hans Rodionoff
Zeichner: Joel Gomez
Übersetzung: Claudia Fliege
Verlag: Panini, Wildstorm Comics

Wer erinnert sich noch an diesen Vampirfilm von 1987 mit Kiefer Sutherland, gedreht von Joel Schumacher, um eine Vampirclique in Kalifornien? Mit diesem Film wurde das Vampirgenre neu belebt und führte vielleicht sogar zu dem heutigen Boom an Vampirgeschichten. Seltsamer weise gab es jetzt, zwanzig Jahre nach dem ersten Film, eine Fortsetzung, natürlich ohne Kiefer Sutherland, und anstelle von Rocker-Vampiren mit Surfer-Vampiren. Ähh, ja, okay, wer’s mag.
Als Überbrückung dieser zwanzig Jahre soll nun dieser Comic dienen, der erzählt, was in dieser Zeit geschah. Hauptpersonen dabei sind die beiden Frog-Brüder, die in Lost Boys die Möchtegern-Vampirjäger gaben und auch hier noch nicht viel weiter gekommen sind.
Bei einer Fortsetzung zwanzig Jahre später fragt man sich unweigerlich, was das ganze soll. Vom Erfolg des ersten Teils kann so ein Nachklapp kaum noch zehren, maximal vom Kultstatus, aber ob der bei diesem Film so wahnsinnig groß war, wage ich doch zu bezweifeln. Wenn man mich nach Klassikern des Vampirfilms fragen würde, wäre Lost Boys nicht unbedingt meine erste Antwort. Das größte Problem des Comics ist, dass er nicht funktioniert, wenn man nicht zumindest den ersten Film vorher noch mal gesehen hat, da er sehr viele Bezüge zu diesem hat, die sich sonst kaum erschließen. Aber auch damit bleibt die Geschichte ziemlich wirr, sie erzählt zwar die Vorgeschichte zum zweiten Film, hat aber überhaupt keine Eigenständigkeit, die nötig wäre, damit dies ein guter Comic werden könnte.
So ist es nur eine Gelegenheit, den Fans der beiden Filme noch mal Geld aus der Tasche zu ziehen, für alle anderen ist dieser Comic völlig uninteressant.

Der dunkle Turm Bd.2: Der lange Heimweg

Der dunkle Turm Bd.2: Der lange Heimweg

Der dunkle Turm Bd. 2: Der lange Heimweg
Idee und Gesamtleitung: Stephen King
Story und Beratung: Robin Furth
Skript: Peter David
Zeichner: Jae Lee, Richard Isanove
Übersetzung: Wulf Bergner
Verlag: Splitter

Dies ist der zweite Teil der Comic-Serie zu Stephen Kings großem Werk Der dunkle Turm. Aufmerksame FO-Leser werden sich erinnern, was ich in FO 239 zu dem ersten Band geschrieben habe. Dem ist auch für den zweiten Band kaum etwas hinzuzufügen, von Meistern ihres Fachs wie Peter David oder Jae Lee, erwartet man auch nicht weniger als ein so hohes Niveau.
Was mir aber im zweiten Band mal so langsam auf den Wecker geht, ist diese permanent niederdrückende Stimmung in diesem Comic und vielleicht auch Kings Romanen selber. Der dunkle Turm spielt bekanntlich in einer postatomaren Welt, in der alles mutiert ist, von Hunden und Pferden bis zu dem Menschen. Diese Welt hat King noch mit Elementen der Artus-Saga und des Wilden Westens gemixt. Ist ja so erst mal eine ganz interessante Mischung, aber das ganze ist so dermaßen in düsteren Farben und einer niederdrückenden Stimmung gehalten, dass man sich fragt, wie da ein Mensch überleben, geschweige denn leben kann. Ein wenig mehr Helligkeit würde dem Comic sehr gut tun. Aber vielleicht vertu ich mich ja auch und Horror-Liebhaber wollen einen King-Comic genau so haben und nicht anders, und ich bin erklärtermaßen weder Horror- noch King-Fan.

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind
Nach den Büchern von Kai Meyer
Textadaption: Yann Krehl
Zeichner: Ralf Schlüter
Tusche: Horst Gotta
Farben: Dirk Schulz
Verlag: Splitter

Mit diesem zweiten Band schließt das Splitter-Team die Comic-Adaption des ersten Buchs von Kai Meyers Fantasy-Zyklus Das Wolkenvolk ab. Dies war eine Premiere für den Verlag, denn zuvor wurden bei Splitter vor allem frankobelgische Comic-Reihen veröffentlicht. Da Kai Meyer zusammen mit Markus Heitz momentan zu den bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren gehört, ist es aus kaufmännischen Überlegungen nur sinnvoll, sich eines seiner Werke für ein erstes eigenes Comic-Werk zu sichern. Zumal bei einer Trilogie damit auf jeden Fall mal sechs Comicbände sicher sind.
Das Ergebnis der Umsetzung des ersten Bandes kann sich auch gut sehen lassen. In ruhigen, klaren Panels haben die Künstler Kai Meyers Werk übertragen, ohne in die manchmal hektisch, aber moderner wirkende Panelaufteilung vor allem amerikanischer Comics zu verfallen. Aber trotzdem wirkt Seide und Schwert nie altmodisch und die Action kommt auch nicht zu kurz. In einem Comic, der sich so sehr auf asiatische Mythen bezieht, wie dieser, wäre das auch fatal, denn dann sind fliegende Schwertkämpfer und Martial-arts-Künstler wie in einem Shaw-Brothers-Film geradezu Pflicht. Dabei ist aber dieser Comic in allen seinen Zeichnungen ein europäischer geblieben und versucht nicht, den asiatischen Stil zu kopieren. Damit bleibt der Comic immer ein blick von außen auf eine uns fremde Welt, im Comic versinnbildlicht durch die Figur des Niccolo, der für den Leser durch diese Welt wandert.
Neben dieser zweiteiligen Ausgabe von Seide und Schwert hat Splitter noch eine Buchausgabe herausgebracht, in der die Geschichte komplett erschienen ist. Das Format ist zwar kleiner als die Albenausgabe, stört aber nicht sehr, da die Zeichnungen nicht so stark verkleinert werden mussten, dass ihre Wirkung beeinträchtigt wäre.

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Eine für alle, alle für eine!

Belladonna, Bd. 1

Belladonna, Bd. 1

Frankreich im Jahre des Herrn 1680, es herrscht der Sonnenkönig Ludwig XIV. Minister Louvois hat eine Geheimdienst gegründet, der das Land gegen seine Feinde beschützen soll. Unter den Geheimagenten sticht eine junge Frau heraus, die nicht nur viel Erfahrung im Kampf besitzt, sondern auch noch eine dunkle Vergangenheit.

Okay, die große Vorlage für diese Geschichte sind natürlich die Romane um die drei Musketiere von Alexandre Dumas, das Ganze wurde dann noch modern aufgepeppt mit einer weiblichen Heldin, die sowohl eine Expertin im Nahkampf und als auch mit Waffen ist. Das Autorenduo Ange ist vor allem durch ihre Reihe „Die Legende der Drachenritter“ bekannt geworden, während der Zeichner Pierre Alary bisher an der Reihe Sinbad mitgewirkt hat, die ebenfalls bei Splitter erscheint. Im Vergleich zu den Drachenrittern ist „Belladonna“ völlig anders, wesentlich humorvoller und dabei heller und freundlicher gezeichnet. Es ist eine klassische Mantel- und Degen-Geschichte mit rasanten Duellen wilden Verfolgungsjagden über die Dächer von Paris.

Ein wenig stört mich, dass man sich anscheinend momentan für solche Geschichten immer einer Heldin bedienen muss, obwohl auch diese hier in einer Zeit spielt, in der Frauen nun nicht gerade gleichberechtigt mit Männern waren und wohl kaum mit Degen und Dolch in der Gegend herum liefen. Aber egal, „Belladonna“ funktioniert auf jeden Fall als Musketiergeschichte in der Tradition von Dumas’ Helden und nach diesem ersten Band hat es die Serie auf jeden Fall verdient, weiter im Auge behalten zu werden.

Belladonna Bd.1: Marie

Autor: Ange

Zeichner: Pierre Alary

Übersetzung: Monja Reichert

Verlag: Splitter

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PENG! Die Gewinner

Zum dritten Mal bereits wird der Münchner Comicpreis PENG! verliehen.
In neun Kategorien wurde über die letzten Wochen über die Gewinner abgestimmt.
Und hier sind sie, die diesjährigen Sieger:
Bester deutscher Comic
Uli Oesterles Gesamtausgabe von Hector Umbra
Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge
Flix: Der Swimmingpool des kleinen Mannes

Bester europäischer Comic
Cyril Pedrosa: Drei Schatten
Jean-Yves Ferri, Manu Larcenet: Die Rückkehr aufs Land
Émile Bravo: Spirou – Porträt eines Helden als junger Tor

Bester US-Comic
Adrian Tomine: Halbe Wahrheiten
David Petersen: Mouse Guard – Herbst 1152
Gerard Way und Gabriel Bá: The Umbrella Academy

Beste Comic-Sekundärliteratur
Scott McCloud: Comics machen
Comicgate Magazin
Reddition

Beste Neuveröffentlichung eines Klassikers
Prinz Eisenherz – Hal Foster Gesamtausgabe
Don Lawrence: Storm bei Splitter
Watchmen Absolut Edition

Beste Comicverfilmung
The Dark Knight
Persepolis – Eine Jugend im Iran
Watchmen

Bester Manga (ermittelt von Animexx)
Masashi Kishimoto: Naruto
Eiichiro Oda: One Piece
Matsuri Hino: Vampire Knight

Wer mitgezählt hat, kommt jetzt erst auf sieben Preisträger. Korrekt. Außerdem bekommt 2009 einen PENG! für sein Lebenswerk Hansrudi Wäscher, der in den Fünfzigern die Serien Sigurd, Nick und Tibor erschaffen hat. Die Älteren werden sich erinnern. Hansrudi Wäscher wird den Preis nicht nur persönlich entgegen nehmen sondern wird auf dem Comic-Festival auch mit einer Hommage-Ausstelung geehrt, damit die Comic-Leser jüngeren Datums überhaupt mal eine Ahnung bekommen, für was der Preis überhaupt verliehen wurde.

Der Preis für „Besondere Leistungen für die Münchner Comic-Kultur“ geht dieses Jahr an Wolfgang J. Fuchs und Reinhold Reitberger für ihr Standardwerk “Comics – Anatomie eines Massenmediums, in dem sie nicht nur über die Geschichte der Comics, sondern auch selber ein Stück Comic-Geschichte schrieben.

Die Preise werden heute Abend in einer großen Gala im Ratssaal des alten Rathauses  feierlich überreicht. An dieser Stelle auch herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

Und wer noch auf das Münchner Comic-Festival möchte, das läuft noch bis Sonntag.

Näher Informationen findet Ihr unter:

http://www.comicfestival.de/

Quelle: www.comicfestival.de
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Geschichten aus Dungeons & Dragons

Das Beste aus den Welten von Dungeon & Dragons

Das Beste aus den Welten von Dungeon & Dragons

Dungeons & Dragons (D&D) dürfte so ziemlich die bekannteste Marke unter den Rollenspielen sein, auf jeden Fall ist es das älteste. Es wurde 1974 das erste Mal veröffentlicht und hat seitdem viele Veränderungen mitgemacht. Mit dem Spielsystem von D&D kann man in vielen Spielewelten seine Abenteuer erleben, die heute bekanntesten davon sind die Forgotten Realms, die Welt der Drachenlanze und, der neueste Ableger, Eberron.

Genau diesen drei Welten widmet sich dieser erste Band mit Geschichten aus D&D. Dabei hat man sich schlauerweise als Vorlage drei Geschichten von den Autoren genommen, die am engsten mit diesen Welten verknüpft sind. Bei R. A. Salvatore denkt man sofort an den Dunkelelfen Drizzt Do’Urdenaus Forgotten Realms, Margaret Weis und Tracy Hickman haben mit ihren Drachenlanze-Romanen die Grundlage für diese Spielwelt geliefert und Keith Baker hat für Eberron die Grundlagen entworfen und an allen Quellenbüchern für diese Welt mitgearbeitet und geschrieben.

Mit der Kombination kann eigentlich kaum noch was schief gehen. Die Fans hat man damit eh auf seiner Seite und die restliche Fantasyleserschaft kann mit zumindest drei der Namen auch was anfangen. Salvatore hat eine Kurzgeschichte um, klar, seinen Dunkelelfen beigesteuert und auch bei Hickman & Weis ist man auf Nummer sicher gegangen und hat als Vorlage eine ältere Kurzgeschichte genommen, in der es um das Zwillingspaar Caramon und Raistlin Majere, zwei der Helden aus den Drachenlanze-Romanen, geht. Der Unsicherheitsfaktor liegt daher nur bei der Eberron-Geschichte, da Keith Baker nicht so bekannt ist, wie die andren drei und es für seine Welt keine so berühmten Helden gibt wie in den beiden anderen. Meiner Meinung nach ist das allerdings der große Vorteil für Baker, da er mit seiner Geschichte keine fest gefügten Erwartungen erfüllen muss, sondern einfach eine gute Geschichte erzählen kann. Und tatsächlich ist Bakers Geschichte, die in Sharn spielt, einer Stadt auf Eberron, die als Vorbild New York hat, die stärkste der drei. Die anderen beiden sind zwar auch gute Geschichten, mir hätte es aber besser gefallen, mal was neues aus den Forgotten Realms oder der Dachenlanze zu lesen, als immer wieder von denselben Helden, die man bereits aus zig Geschichten in- und auswendig kennt.

Für die folgenden Bände wünsche ich mir daher ein wenig mehr Mut bei der Geschichtenauswahl, es wäre auch schön, dann mal was aus weniger bekannten D&D-Welten wie Ravenloft, Dark Sun oder gar Planescape zu lesen.

Autoren: R. A. Salvatore, Margaret Weis & Tracy Hickman, Keith Baker

Zeichner: Nick Schley, Neil Kleid, Chris Lie

Übersetzung: Oliver Hoffmann, Astrid Mosler

Verlag: Panini Comics

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Stephen King – Der Dunkle Turm

Der dunkle Turm Bd. 1: Der Revolvermann

Der dunkle Turm Bd. 1: Der Revolvermann

Stephen King hat den Dunklen Turm, an dem er 30 Jahre lang geschrieben hat, mal als sein Opus Magnum bezeichnet. Nach den sieben Bänden hatte er zwar verkündet, jetzt alles geschrieben zu haben, was es zu erzählen gab, aber das war wohl ein Irrtum, denn in dieser Graphic Novel erzählt King die Vorgeschichte des Revolvermanns, der in den Romanen die Hauptperson ist. Nun könnte man dies als einen Versuch ansehen, aus einer bekannten Marke noch den letzte Tropfen Profit raus zu quetschen, aber, wenn alle Versuche so aussehen würden, wie diese Graphic Novel, würde ich mir das öfters wünschen. Immerhin sind an diesem Comic Größen wie Peter David beteiligt, der bei Marvels Hulk einer der wichtigsten und prägendsten Autoren war, außerdem noch Jae Lee, der an den Ultimate-Serien mitgearbeitet hat, und Richard Isanove, der für Neil Gaiman Marvel 1602 koloriert hat. Die Story stammt von Robin Furth, die für King als Rechercheurin tätig ist. Und der Meister selber hatte die Oberaufsicht.

Das Ergebnis kann sich in jeder Beziehung sehen lassen. Die Geschichte entfaltet eine epische Wucht, der man sich als Leser nicht entziehen kann, selbst wenn man Kings Romane nicht kennt. Dazu kommen noch bemerkenswerte Zeichnungen, die die Intensität der Geschichte noch steigern. Besonders beeindruckend finde ich die Panel-Aufteilungen, die häufig aus schmalen, ganzseitigen Streifen bestehen, was besonders dynamische Szenen intensiviert. Daneben gibt es dann auch großformatige bis ganzseitige Panels, die schon mehr Gemälde als Comiczeichnung sind. Diese Geschichte ist wie geschaffen für das große Albenformat von Splitter, in Heftform, in der die Geschichte ursprünglich erschienen ist, kommt vieles gar nicht recht zur Geltung.

Als Schmankerl obendrauf gibt es im Anhang noch einige Geschichten, die die Mythologie hinter dem Dunklen Turm näher beleuchten und den Leser weiter in diese Welt einführen. Eine durch und durch gelungene Graphic Novel, mit der King sein Opus Magnum angemessen fortsetzt.

Der dunkle Turm Bd. 1: Revolvermann
Idee und Gesamtleitung: Stephen King
Story und Beratung: Robin Furth
Skript: Peter David
Zeichner: Jae Lee, Richard Isanove
Übersetzung: Wulf Bergner
Verlag: Splitter

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