Der einsame Reiter

»Jonah Hex« ist eine Comicreihe, die DC seit immerhin 1972 veröffentlicht. Hauptperson dieser Reihe ist der gleichnamige Kopfgeldjäger, der, entstellt von einer riesigen Narbe auf seiner rechten Gesichtshälfte, im Wilden Westen nach dem Bürgerkrieg unterwegs ist. Seine ersten Abenteuer erschienen in der Reihe »All Star Western«, waren jedoch schnell so beliebt, daß Jonah Hex zum einzigen Bestandteil dieser Reihe wurde und sie in »Weird Western Tales« umbenannt wurde. Eingestellt wurde diese Serie zwar 1985, doch sehr schnell danach wurde eine neue Jonah Hex-Serie gestartet, die allerdings nur bis 1987 lief. Seitdem wurden bei Vertigo, dem „erwachseneren“ Label von DC, mehrere Miniserien gestartet, bis dann 2005 eine neue ständige Reihe begann. Von dieser Serie liegen nun auch auf Deutsch die ersten Hefte vor.

In den alten Heften wurde Jonah Hex als zynischer und moralisch verkommener Charakter beschrieben. Da ich die alten Hefte nicht kenne, muss ich das mal so glauben, denn davon ist in den neuen Heften nicht viel übrig geblieben. Zwar ist Hex immer noch der entstellte Kopfgeldjäger, ist aber trotzdem seinen eigenen Moralvorstellungen verpflichtet, die dazu führen, daß er erbarmungslos gegen diejenigen vorgeht, die in seine Augen Unrecht begangen haben. Offensichtlichstes Vorbild für diesen „neuen“ Jonah Hex ist der junge Clint Eastwood aus den Dollar-Filmen, sichtbar vor allem daran, daß der Zeichner, Luke Ross, sich eindeutig Eastwood zum Vorbild genommen hat. Genau das ist auch eins der größten Probleme, die ich mit diesem Comic habe. Die Geschichten sind ziemlich gut, auch wenn ich Western lieber als Filme sehe, im Comic fehlt doch einiges von dem, was einen Western ausmacht. Aber dadurch, daß man andauernd Clint Eastwood mit Narbe im Gesicht sieht, fehlt diesem Comic die Eigenständigkeit, die gerade so eine relativ unbekannte Comicfigur nötig hätte, um sich bei den Lesern durchzusetzen. Und so ist vielleicht nicht zufällig die beste Geschichte in diesem Buch die von Ton Dezuniga gezeichnete, der der ursprüngliche Zeichner von Jonah Hex in den Siebzigern war. Hier kommt auch sehr viel stärker der ursprüngliche Hex durch, der sich einen Dreck um Recht und Gesetz schert und skrupellos seine Ziele durchsetzt.

Jonah Hex: Zeit zu sterben
Text: Justin Gray, Jimmy Palmotti
Zeichnungen: Luke Ross, Tony Dezuniga
Übersetzung: Christian Heiss
Verlag: DC Deutschland, Panini
Dieser Beitrag wurde unter Comics veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.