Altes Adamantium

50 Jahre, nachdem sich alle Superschurken des Marvel-Universums zusammengetan haben, um die Macht an sich zu reißen, leben von den ehemaligen Helden nur noch wenige. Einer von ihnen ist Logan alias Wolverine, der sich auf eine Farm zurückgezogen hat, um dort mit seiner Familie in Frieden zu leben. Mit dem uns bekannten Wolverine hat dieser alte Mann jedoch nicht mehr viel zu tun, etwas ist in ihm 50 Jahre zuvor zerbrochen. Doch dann taucht ein alter Bekannter auf, um ihn für einen Auftrag anzuheuern, der die beiden durch ganz Amerika führt.

Mark Millar gehört momentan sicher zu den besten Autoren, die Marvel und DC aufzubieten haben. Er hat die modernen Marvel-Comics entscheidend mitgeprägt, zum einen durch die Mini-Serie »Civil War«, in der die Grundsteine für die aktuelle Handlung gelegt wurden, wie auch im ultimativen Universum in der Reihe Ultimates (Die Rächer) und den Ultimate X-Men. Daneben fallen einem bei seinem Namen noch »Wanted« und »Kick Ass« ein, die beide fürs Kino verfilmt wurden. In »Old Man Logan« kombiniert Millar Elemente aus Western mit einem postapokalyptischen Szenario.

Wenn man Millars frühere Werke kennt, fallen einem noch andere Ähnlichkeiten auf. So zum Beispiel mit »Wanted«, wo auch die Superschurken die Helden umgebracht und die Macht an sich gerissen haben. Allerdings wird in »Old Man« die Geschichte aus der Sicht eines alten Helden beschrieben und nicht aus der eines der Verbrecher. Auch sonst merkt man ganz stark, wo sich Millar bedient hat. Clint Eastwoods »Erbarmungslos« gehört da noch zu den offensichtlichsten Anleihen.

Millars Grundidee für diese Geschichte ist nur konsequent. Gegen verbündete Superschurken hätten die Helden niemals eine Chance, sie wären einfach zu sehr in der Inderheit. Vor allem, wenn die Bösewichte dann auch noch so perfide vorgehen wie in diesem Comic. Zurück bleiben 50 Jahre später ein gebrochener Logan, der geschworen hat, seine Krallen nie wieder einzusetzen, und ein Amerika, das zwischen den Schurken aufgeteilt wurde. Dieser Comic ist so etwas wie ein Italowestern der Superheldencomics, denn auch hier gibt es keinen Helden mehr, sondern nur einen Mann, dem seine Hoffnungen und Ideale zerstört worden sind und der trotzdem versucht, sein Leben, so gut wie ihm möglich, weiter zu führen.

Dies ist ganz sicher nicht Mark Millars bestes Werk, denn dafür fehlt in »Old Man Logan« die Konsequenz und Radikalität, die »Wanted« so faszinierend gemacht haben. Dennoch ist dieser Band um vieles besser als das meiste, was so jeden Monat auf den Comic-Markt geschmissen wurde.

Marvel exklusiv 84: Old Man Logan
Text: Mark Millar
Zeichnungen: Steve McNiven
Übersetzung: Jürgen Petz
Verlag: Marvel Deutschland, Panini
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