Kein Surrogat, das Original

Vor einem Nachtklub wird ein Pärchen von einem Unbekannten beim Sex erwischt und von ihm getötet. Als die Polizei am Tatort eintrifft, stellt sich heraus, daß die zwei keine echten Menschen waren, sondern Surrogate, künstliche Stellvertreter, durch die die Menschen mit ihrer Außenwelt agieren können, ohne ihre Wohnung zu verlassen. Dies ist nicht nur der Beginn des neuesten Films mit Bruce Willis, der gerade im Kino läuft, sondern auch des Comics, auf dem der Film basiert.

Doch bereits ab diesem Punkt entwickeln sich Comic und Film völlig unterschiedlich, und es ist faszinierend, wie eine Geschichte sich trotz gleicher Grundlagen verschieden entwickeln kann. Während im Film nicht nur die Surrogaten getötet wurden, sondern auch ihre Besitzer, überleben im Comic die Menschen die Zerstörung ihrer künstlichen Körper. Vielleicht ist dies am Anfang nur ein unbedeutender Unterschied, doch damit dreht sich die ganze Geschichte und wird viel nachvollziehbarer für den Leser. Ohne zuviel über den Inhalt von Film und Comic zu verraten, erledigt sich durch diese eine Tatsache einer der ganz großen Schwachpunkte des Films, nämlich das Motiv für die Zerstörung der Surrogaten und den Plan, um dieses Ziel zu erreichen.

Doch auch bei der weiteren Lektüre lässt der Comic seine Verfilmung weit hinter sich. So ist die Hauptperson des Comics, Harvey Greer, etwa meilenweit von Bruce Willis Darstellung entfernt. Während man im Film große Mühe hatte, dem grau gewordenen Kämpen Willis abzunehmen, daß er sich in einen Surrogaten verkriecht, fällt dies beim Comic-Greer überhaupt nicht schwer. Dies ist kein Actionheld, sondern einfach ein Mann, der versucht, seinen Job zu machen und dafür jede Hilfe, auch die eines Roboterkörpers, annimmt. Auch zum Schluss verweigern sich die Autoren eines Happyends wie im Film, sondern entschlossen sich zu einem der Geschichte angemesseneren Ende.

Wer aus diesem Film unzufrieden heraus kam, sollte sich diesen Comic vornehmen. Viele Fehler, die im Film eingebaut wurden, kommen hier nicht vor. Auch die Welt gesamt ist im Comic erheblich glaubwürdiger, wozu auch die zwischen die Kapitel eingebauten fiktiven Artikel und Werbebroschüren für Surrogate beitragen.

Surrogates
Text: Robert Venditti
Zeichnungen und Farben: Brett Weldele
Übersetzung: Christian Langhagen
Verlag: Cross-Cult
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