Aufgefallen im Januar

Batman/Superman Sonderband 2: Superbat; Zweckgemeinschaft
Text: Michael Green, Mike Johnson; Len Wein
Zeichnungen: Rags Morales; Chris Batista
Übersetzung: Steve Kups
Verlag: Panini Comics, DC Deutschland

Im ganzen DC-Universum dürfte es keine zwei gegensätzlicheren Charaktere geben als Superman und Batman. Trotzdem, oder gerade deshalb, werden die beiden von Autoren immer wieder und gerne zusammen in den Kampf gegen das Verbrechen geschickt, ergeben sich doch aus den Reibungen der zwei so unterschiedlichen Sichtweisen, wunderbare Ansätze für interessante Geschichten.

In diesem Band wird in der ersten Geschichte versucht, diesen Gegensatz noch auf die Spitze zu treiben, denn die beiden Helden tauschen hier ihre Fähigkeiten. Während Batman, mit Supermans übermenschlichen Gaben ausgestattet, sich in der Lage sieht, endlich mit dem Verbrechen in Gotham endgültig aufräumen zu können, sieht sich Superman mit einer bisher ungekannten Menschlichkeit konfrontiert, mit der er sich aber nicht mehr als Alien unter Menschen fühlen muss.

Das Problem an Geschichten mit Superman war immer, daß dieser Kerl als das ultimativ Gute geschaffen wurde. Nur selten konnten Autoren diesen Panzer aus Gutsein durchbrechen und interessante Facetten am kostümierten Pfadfinder aufzeigen. Entsprechend langweilig sind die meisten Geschichten mit dem Stählernen. Batman konnte dagegen nie seine Wurzeln in den Detektivgeschichten der dreißiger Jahre, etwa von Hammet oder Chandler, verleugnen. Er hatte immer eine dunkle Seite, die ihn viel interessanter und spannender machte als viele seiner Kollegen.

Dies zeigt sich wieder mal in dieser Geschichte. Während Superman sich mehr oder minder mit seinem Schicksal abfindet, nutzt Batman seine neuen Fähigkeiten gnadenlos aus und begibt sich auf einen Feldzug gegen das Verbrechen, bei dem er zunehmend skrupelloser agiert und auch vor Verbündeten und Freunden nicht haltmacht. Und so muss Superman trotz seines Verlusts eingreifen, um Batman zu stoppen und seine Gaben zurückzuerlangen.

Batmans brutaler Feldzug ist ihm Rahmen seines Charakters völlig nachvollziehbar. Angetrieben vom Trauma des Verlusts seiner Eltern, kann er nun so gegen das Verbrechen vorgehen, wie er es immer wollte, aber nie konnte. Dabei legt er immer mehr die moralischen Fesseln ab, die er sich bisher auferlegt hat. Daß dies im Nachhinein durch den Fluch erklärt wird, der zu dem Tausch der Fähigkeiten führte, ist eine Schwäche der Geschichte, aber nötig, denn sonst könnte Batman am Ende kaum in den Kreis der Superhelden zurückkehren. Supermans Rolle bleibt dagegen mal wieder etwas blass, denn er kann auch ohne seine Gaben nicht aus seiner Pfadfinderhaut und so verpassen die Autoren eine Chance, diesem Charakter mal wieder etwas mehr Tiefe zu geben.

Im Vergleich zu dieser ersten, sehr gut erzählten Geschichte fällt die zweite ganz extrem ab. Sie ist eigentlich nicht mehr als der übliche Helden/Schurkenkampf, der nur dadurch etwas interessanter wird, daß Batmans und Supermans Gegner ein Mischwesen aus den beiden ist und ihre Fähigkeiten besitzt. Ansonsten ist dies eine typische Zweitgeschichte, die nicht groß von der eigentlichen Hauptgeschichte ablenkt.

Aber für diese Hauptgeschichte lohnt sich dieser Sonderband auf jeden Fall. Sie bietet eine Geschichte, die sich vom normalen Superheldeneinerlei abhebt, da sie einen unserer Helden mit seinen dunklen Seiten konfrontiert.

Incognito: Stunde der Wahrheit
Text: Ed Brubaker
Zeichnungen: Sean Phillips
Übersetzung: Claudia Fliege
Verlag: Panini Comics

Irgendwie scheint es einigen Superheldenautoren keinen Spaß mehr zu machen, Comics über Helden zu schreiben. Daß Garth Ennis dieses Genre nicht leiden kann, ist ja bekannt und er kompensiert das momentan auch ganz erfolgreich mit »The Boys«. Mark Millar schrieb mit »Wanted« einen der interessantesten Comics der letzten Jahre, der sich nur um Superschurken drehte und Ed Brubaker setzt nun mit Incognito den Pulp-Magazinen der dreißiger Jahre ein Denkmal, in denen die Basis für die Superhelden-Comics gelegt wurde, wie wir sie heute kennen.

„Held“ seines Comics ist Zack Andersen, ein ehemaliger Superschurke, der sich in einem Zeugenschutzprogramm verstecken muss, nachdem er gegen seinen ehemaligen Boss ausgesagt hat, um seine eigene Haut zu retten. Seine Fähigkeiten werden durch Drogen unterdrückt und er führt nun das langweilige Leben eines Büroboten, den niemand wirklich wahrnimmt. Doch dann erhält Zack seine Fähigkeiten wieder zurück und er muss sich nun entscheiden, wie er sie in Zukunft einsetzen wird.

Der Reiz solcher Noir-Geschichten liegt ja bekanntlich darin, daß es keine klar abgesteckten Gut/Böse-Seiten gibt, sondern zuallererst Menschen, die versuchen, einigermaßen unbeschadet durchs Leben zu kommen. Auch Zack Andersen gehört dazu, nur weiß er, daß er mal zu denen gehörte, die die Macht haben und diese auch einsetzten, und nach diesen Zeiten dürstet er verzweifelt. Als er diese Macht zurückerhält und damit eine Frau vor Dieben rettet, ist dies dann auch keine bewusste Entscheidung, sondern mehr dem Zufall geschuldet, daß er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Das macht ihn nicht zu einem besseren Menschen, gibt seinem leben aber damit eine Richtung, die es ins einem ersten Leben nicht gehabt hat, als er zusammen mit seinem Zwillingsbruder für eine Verbrecherorganisation tätig war. Doch jetzt hat er im Gegensatz zu damals die Möglichkeit, sich zu entscheiden, wie er mit seinen wieder gewonnenen Gaben umgeht und wie er sie einsetzt.

Brubakers Figuren haben im Gegensatz zu den „normalen“ Superhelden den Vorteil, daß sie nicht wie Abziehbilder daherkommen, sondern trotz ihrer Fähigkeiten wie Menschen wirken. Ihre Leben und Entscheidungen spiegeln viel stärker unser eigenes Leben wieder und was wir daraus machen. Und trotz seiner sehr düsteren Grundstimmung und zweifellos vorhandenen Brutalität ist dieser Comic am Ende viel positiver als etwa Millars »Wanted«, denn »Incognito« lässt seinem Helden und damit uns den freien Willen, wie wir unsere Fähigkeiten einsetzen.

Batman 35/36: Was wurde aus dem Dunklen Ritter?
Text: Neil Gaiman
Zeichnungen: Andy Kubert
Übersetzung: Steve Kups

Verlag: Panini Comics, DC Deutschland

Batman ist tot, gestorben während der Final Crisis im Kampf gegen Darkseid (fragt mich bloß nicht, wer das genau ist, irgend so ein außerirdischer Obermotz mit gottgleichen Fähigkeiten). Und das nach 70 Jahren unentwegten Kampfes gegen das Böse. Die Figur Batman und sein Alter Ego Bruce Wayne entstand 1939 aus der Feder des Zeichners Bob Kane und gehört damit neben Superman zu den am längsten agierenden Superhelden. Von daher ist es eigentlich nur schwer vorstellbar, daß Bruce Wayne tatsächlich tot ist, denn ebenso wie nur Clark Kent Superman sein kann, kann nur Bruce Wayne Batman sein, wie die Macher bei DC schon damals erfahren mussten, als sie versuchten, Bruce Wayne durch Jean-Paul Valley zu ersetzen, jedoch durch den Protest der Leser sehr schnell zurückruderten und den einzig wahren Batman wieder einsetzten. Von daher ist es nicht allzu gewagt, zu vermuten, daß über kurz oder lang auch dieses Mal wieder Bruce Wayne die Fledermausmaske tragen wird. Die Frage ist eben nur, wie sie ihn von den Toten auferstehen lassen, aber das war noch nie ein größeres Problem bei Superhelden, sie Supermans angeblichen Tod.

Aber jetzt ist Batman erst mal tot und wir haben uns der traurigen Tatsache zu stellen. Literarisch übernimmt diese Aufgabe Neil Gaiman zusammen mit Andy Kubert, indem er diesen Zweiteiler über die Trauerfeier schreibt. In einer recht schäbigen Kaschemme finden sich nicht nur Batmans langjährige Freunde, sondern ebenso auch seine alten Feinde ein, um ihremWeggefährten die letzte Ehre zu erweisen. So sitzen wohl das erste Mal der Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman friedlich neben Comissioner Gordon, dem Butler Alfred und Robin. Trauer schweißt halt zusammen. Nacheinander treten sie nun vor den Sarg und erzählen ihre Geschichte mit Batman und wie sie seinen Tod erlebten.

Diese Geschichte ist eine einzige Referenz an die lange Geschichte Batmans. So erinnern die Zeichnungen in jeder Geschichte einer anderen Epoche vom Golden Age der 50er über die siebziger und achtziger bis zu den modernen Zeichnungen heute. Auch der Titel ist schon eine Referenz, nämlich an die klassische Superman-Geschichte von Alan Moore: »Was wurde aus dem Mann von morgen?«

Gaiman erzählt eine Geschichte, wie man sie von ihm erwarten konnte. Weniger eine klassische, actionreiche Superheldenstory, sondern mehr ein ruhige, dem traurigen Anlass angemessen, fast metaphysische Geschichte über das Leben, den Tod und das Leben danach. Dabei lässt er keine Zweifel daran, daß für ihn die zwei Aspekte Bruce Wayne und Batman untrennbar zueinander gehören und alleine nicht existieren können. Damit verstärkt er natürlich die Zweifel am endgültigen Tod des alten Batman, aber anscheinend ist es so von der Chefredaktion bei DC gewollt und wird mehr auf einen Neustart der Serie mit dem alten Batman hinauslaufen und einer Zwischenphase, in der ein Vertreter das Fledermauskostüm tragen wird.

Als Abschluss einer Periode im langen Leben Batmans ist dieser Band von Neil Gaiman und Andy Kubert auf jeden Fall grandios geraten. Dies ist ein Heft, das man immer mal wieder in die Hand nehmen kann und neue Aspekte in den Zeichnungen und der Geschichte entdeckt. Eine Perle in einer monatlich erscheinenden Serie.

Storm Bd. 10: Die Piraten von Pandarve
Text: Martin Lodewijk
Zeichnungen: Don Lawrence
Übersetzung: James ter Beek und Nikolaus Danner
Verlag: Splitter

Mit diesem Band machten die Autoren von »Storm« nach neun Bänden 1982 eine bedeutende Zäsur. Storm und seine Gefährtin Rothaar verlassen hier nicht nur die Erde und werden auf den lebenden Planeten Pandarve verschlagen, auch im Autorenteam gab es mal wieder einen Wechsel. Martin Lodewijk, der die Serie bisher nur als Art Director des Verlags Eppo betreut hatte, wechselte mit dieser Ausgabe endgültig auf den Texterposten bei »Storm«. Genauer wird die Entstehung dieses Bandes wie in jedem der zehn Bände im Hintergrundartikel am Ende des Albums geschildert. Jedenfalls war damit das ewige Texterwechseln beendet, das in den vorangegangenen Bänden eine kontinuierliche Erzählung verhindert hatte. In der Geschichte wirkte es sich so aus, daß der Zyklus der Tiefen Welt, der auf einer Erde in Millionen Jahren spielte, beendet wurde und ein neuer Zyklus begann, der als »Die Chroniken von Pandarve« bekannt werden und bis in die aktuellen Hefte andauern sollte.

Storm und Rothaar werden vom Theokraten von Pandarve entführt, da dieser auf der Suche nach einer Anomalie war, als die sich Storm entpuppt. Die zwei werden im Laufe der Geschichte getrennt, Rothaar gerät in die Hände des Theokraten Marduk, während Storm als Sklave in den Minen arbeiten muss, wo er auf den rothäutigen Nomad trifft, der ihn seitdem auf all seinen Abenteuern begleitet.

Der Geschichte hat der Texterwechsel offenkundig gut getan. Während in den vorigen Bänden meist abgeschlossene Geschichten erzählt wurden, die maximal über zwei Bände gingen, hat man hier zum ersten Mal das Gefühl, dem Beginn einer großen Geschichte beizuwohnen. Außerdem merkt man, daß Don Lawrence und Martin Lodewijk bereits seit Jahren zusammenarbeiten und sich dementsprechend gut kennen, immerhin haben die beiden zusammen »Storm« aus der Taufe gehoben. Ein Problem hab ich aber seit dem ersten Band mit den Zeichnungen von Don Lawrence. Man ginge sicher viel zu weit, wenn man ihm Rassismus vorwerfen würde, aber es ist schon auffallend, daß die Guten prinzipiell großgewachsen, gutgebaut, und in ihren Gesichtszügen eher kaukasisch sind. Während die Schurken immer krumm gewachsen sind, verschlagene Gesichtszüge besitzen und ein asiatisches Aussehen haben. Das hat wohl was damit zu tun, daß »Storm« in der Tradition von Pulp-Serien wie »Flash Gordon« oder »Buck Rogers« steht, aber trotzdem kann man sich bei einigen Zeichnungen eines dummen Gefühls nicht erwehren.

Diesem ersten Band des neuen Zyklus merkt man das Bemühen um einen Neuanfang an, bei dem man versuchte den Helden in eine neue Umgebung zu verfrachten, ohne ihm seinen Status als Außenseiter zu nehmen. Durch die neue Umgebung auf Pandarve hatte man sich auf elegante Weise dem missglückten Konnzept der tiefen Welt entledigt, das eigentlich bereits nach den ersten zwei Bänden überflüssig geworden, von dem man sich aber erst jetzt mit Lodewijks Einstieg als Texter trennen konnte. Von daher ist dies sicher einer der wichtigsten Bände in der »Storm«-Reihe und für alle an dieser Serie Interessierten ein Muss.

Storm Bd. 0: Kommandant Grek
Text: Vince Wenham
Zeichnungen: Don Lawrence
Übersetzung: James ter Beek und Nikolaus Danner
Verlag: Splitter

Dieser Band ist quasi ein Pilot zur »Storm«-Reihe, in der schon viele der bekannten Figuren auftauchten, aber teilweise noch unter anderen Namen. Auch diese Geschichte dreht sich um einen Astronauten, hier noch namens Grek, der ebenso wie Storm in die Zukunft unserer Erde verschlagen wird und sich dort in der Tiefen Welt zurechtfinden muss. Diese Tiefe Welt basierte auf einem Artikel in »National Geographic«, in dem es um den Meeresgrund ging, nachdem die Ozeane verschwunden waren.

In dieser Tiefen Welt werden die Menschen von Fischwesen versklavt und der aus der Vergangenheit kommende Grek wird zum Anführer des Befreiungskampfes. Ehrlich gesagt, ist dieses Konzept auch nicht schlechter als das dann bei »Storm« umgesetzte. Der Grund, warum die Geschichte dann doch nicht so umgesetzt wurde, sondern als »Storm« neu egstartet wurde, lagen dann auch wohl mehr an der Tatsache, daß die Chefredakteure von »Eppo« mit dem Texter Vince Wernham nicht zufrieden waren und sich nach einem Ersatz umsahen, den sie dann in Phillipp Dunn fanden, der den ersten Storm-Band texten durfte.

In einer kompletten Edition darf dieser Vorläuferband natürlich auf keinen Fall fehlen, und ist so für Fans dieser Reihe sicher ein Pflichtkauf.

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