Irgendwo in Südfrankreich

sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis

Text und Zeichnungen: Fane & Jim

Übersetzung: Tanja Krämling

Verlag: Splitter

Hoppala, wie ist das Teil denn in das Splitter-Programm gerutscht? Keine Raumfahrer, keine Ritter, Schwertkämpferinnen oder sonstige Phantastik-Gestalten spielen hier die Hauptrolle, sondern eine völlig normale Truppe aus 5 Leuten, Mitte bis Ende dreißig, verheiratet, Kinder und darüber mehr oder minder frustriert.

Diese 5 Menschen treffen sich irgendwo in Südfrankreich für vier Tage, um eine Sonnenfinsternis gemeinsam zu erleben. Sie kennen sich alles seit ihrer Jugend und haben dementsprechend viel zusammen erlebt. Sie sind an diesem Punkt ihres Lebens, an dem man erkennt, dass diese Jugend jetzt unwiderruflich vorbei ist und ihr Leben sich nun in Bahnen eingefahren hat, die sie nicht mehr ohne weiteres verlassen können. Da ist der Mann, der mit seiner Sandkastenliebe verheiratet ist, zwei Kinder hat und nun verzweifelt versucht, mit einer neunzehnjährigen Internetbekanntschaft nachzuholen, was er seiner Meinung nach bisher verpasst hat. Der Künstler, der darüber frustriert ist, dass er mit seinen Kunstwerken kein Geld macht, sondern, in seinen Augen, mit Schund, aber dafür damit richtig viel. Und natürlich die Frau, die von einer Männerbekanntschaft zur nächsten springt, und damit ihre panische Angst verdrängt, sich fest zu binden.

Das Ganze könnte extrem banal und klischeebehaftet werden, ist es aber nicht, da die Autoren ihre Hauptfiguren immer ernst nehmen und sie nie der Lächerlichkeit preisgeben. Fane & Jim haben eine Gruppe von Menschen geschaffen, die in ihren Träumen und Wünschen immer realistisch bleiben und dem Leser das Gefühl geben, selber in solche Situationen geraten zu können und sich im Verhalten der Hauptfiguren jederzeit wieder entdecken kann.

Für mich ist Sonnenfinsternis einer der Höhepunkte dieses Comicjahrs. Klare Leseempfehlung!

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