Aufgefallen:

ultimateorigins_687

Ultimate: Origins
Autor: Brian M. Bendis
Zeichner: Butch Guice
Übersetzung: Reinhard Schweizer
Ver
lag: Panini, Marvel Deutschland

Die Ultimate-Comics wurden von Marvel 2000 gestartet, um neben den langjährigen Fans neue, vor allem jüngere, Leser für ihre Hefte zu gewinnen. Daher wurden die bekanntesten Reihen, Spider-Man, X-Men, Die Rächer und Die Fantastischen Vier, einer radikalen Erneuerung unterzogen und modernisiert. Diese Hefte erschienen dann parallel zu den alten Reihen unter dem Label Ultimate und erwiesen sich als ein großer Erfolg, auch unter den Alt-Lesern.
2009 wurde auf der New York Comic Con bekannt, dass die ultimativen Reihen nach dem Ende des Ultimatum-Storybogens einem Relaunch unterzogen werden und dann unter dem neuen Label Ultimate Comics erscheinen werden. Mit Ultimate Origins beginnt nun auch in Deutschland dieser Ultimatum-Storybogen. In diesem Auftakt werden die Entstehungsgeschichten einiger wichtiger Marvel-Superhelden neu erzählt und in einen Zusammenhang gestellt, den es so in den alten Comics nie gegeben hat. Als Autor dieser im Original fünfteiligen Geschichte zeichnet Brian M. Bendis, der momentan meistbeschäftigte Autor bei Marvel.
Serienübergreifende Storybogen sind ja bei allen Comicverlagen extrem beliebt, kann man so doch die Leser dazu bringen, neben ihren Stammreihen auch andere Reihen zu kaufen, um so der gesamten Geschichte folgen zu können. Aber was Bendis hier an Verknüpfungen zwischen Captain America, Wolverine, Hulk, aber auch den Fantastischen Vier und Spider-Man herstellt, ist schon große Klasse und gibt den ganzen sonst nur lose zusammenhängenden Reihen einen Überbau, der in sich logisch und stimmig zu sein scheint.
Diese Zusammenhänge beginnen im Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung des Super-Serums, das bekanntlich zur Entstehung Captain Americas führte, und führen dann über die Bemühungen weiter, dieses Serum nach dem Verschwinden Captain Americas zu rekonstruieren, was im ultimativen Universum zur Entstehung der meisten Superhelden führen wird.
Bendis hatte man die letzten Jahre angemerkt, dass er an vielen Serien gleichzeitig schrieb und sich um keine vernünftig kümmern konnte. Hier aber hat er endlich mal wieder gezeigt, warum er zu den momentan beliebtesten Comic-Autoren gehört und einen Auftakt geschrieben, der einen gespannt auf den eigentlichen Beginn des Ultimatum-Storybogens macht. Hoffentlich kann er mit seinem Auftakt mithalten.

Coraline

Coraline

Coraline
Nach dem Roman von Neil Gaiman
Adaption und Zeichnungen: P. Craig Russell
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Verlag:

Nach Stardust ist dies wieder eine Adaption eines Romans von Neil Gaiman. Aber diesmal ist es kein illustrierter Roman, sondern ein richtiger Comic geworden. Die kleine Coraline Jones zieht mit ihren Eltern in ein neues Appartement. Da ihre Eltern nur wenig Zeit für sie haben, erkundet das kleine Mädchen auf eigene Faust das neue Haus, in dem zwei ehemalige Schauspielerinnen und ein verrückter alter Mann leben. Coraline findet auf einer ihrer Erkundungen eine Tür, die zugemauert wurde, doch dahinter verbirgt sich ein Geheimnis.
Neil Gaiman hat diesen Roman 2002 geschrieben und dafür 2003 den HUGO und den Nebula Award erhalten, sowie den Bram Stoker Award als Bestes Werk für junge Leser. Für dieses Jahr wurde auch eine Stop-Motion-Verfilmung angekündigt. Der Comic war da wohl nur die logische Folge.
Gaimans Roman wurde bereits mit Carrolls Klassiker Alice im Wunderland verglichen, und das nicht ohne Grund, denn Ähnlichkeiten zwischen den beiden Romanen sind offensichtlich, nicht nur durch das Mädchen als Heldin, sondern auch durch die Thematik einer anderen Welt neben der unseren. In dieser Welt trifft Coraline auf ihre Anderen Eltern, die immer Zeit für sie haben und ihr alle Wünsche erfüllen und die sie in dieser anderen Welt bei sich behalten wollen.
Diese Comic-Adaption ist für eine Gaiman-Geschichte ziemlich putzig geraten. Es fehlt der morbide und etwas düstere Ton, der normalerweise durch seine Geschichten zieht und ihre Faszination ausmacht. Das Problem liegt in den Zeichnungen, die sehr realistisch gehalten sind, für die Geschichte wären aber eher impressionistische Bilder passend, wie sie sich auch auf dem Romancover finden. Selbst wenn man diesen Comic von seiner Romanvorlage getrennt betrachtet, drängt sich immer ein Vergleich mit Gaimans eigenen Comicwerken auf, vor allem mit seinen Sandman-Geschichten, und dagegen bleibt dieser Comic viel zu harmlos und oberflächlich, sowohl von den Texten als auch von den Zeichnungen.

The Lost Boys: Reign of Frogs

The Lost Boys: Reign of Frogs

Lost Boys: Reign of Frogs
Autor: Hans Rodionoff
Zeichner: Joel Gomez
Übersetzung: Claudia Fliege
Verlag: Panini, Wildstorm Comics

Wer erinnert sich noch an diesen Vampirfilm von 1987 mit Kiefer Sutherland, gedreht von Joel Schumacher, um eine Vampirclique in Kalifornien? Mit diesem Film wurde das Vampirgenre neu belebt und führte vielleicht sogar zu dem heutigen Boom an Vampirgeschichten. Seltsamer weise gab es jetzt, zwanzig Jahre nach dem ersten Film, eine Fortsetzung, natürlich ohne Kiefer Sutherland, und anstelle von Rocker-Vampiren mit Surfer-Vampiren. Ähh, ja, okay, wer’s mag.
Als Überbrückung dieser zwanzig Jahre soll nun dieser Comic dienen, der erzählt, was in dieser Zeit geschah. Hauptpersonen dabei sind die beiden Frog-Brüder, die in Lost Boys die Möchtegern-Vampirjäger gaben und auch hier noch nicht viel weiter gekommen sind.
Bei einer Fortsetzung zwanzig Jahre später fragt man sich unweigerlich, was das ganze soll. Vom Erfolg des ersten Teils kann so ein Nachklapp kaum noch zehren, maximal vom Kultstatus, aber ob der bei diesem Film so wahnsinnig groß war, wage ich doch zu bezweifeln. Wenn man mich nach Klassikern des Vampirfilms fragen würde, wäre Lost Boys nicht unbedingt meine erste Antwort. Das größte Problem des Comics ist, dass er nicht funktioniert, wenn man nicht zumindest den ersten Film vorher noch mal gesehen hat, da er sehr viele Bezüge zu diesem hat, die sich sonst kaum erschließen. Aber auch damit bleibt die Geschichte ziemlich wirr, sie erzählt zwar die Vorgeschichte zum zweiten Film, hat aber überhaupt keine Eigenständigkeit, die nötig wäre, damit dies ein guter Comic werden könnte.
So ist es nur eine Gelegenheit, den Fans der beiden Filme noch mal Geld aus der Tasche zu ziehen, für alle anderen ist dieser Comic völlig uninteressant.

Der dunkle Turm Bd.2: Der lange Heimweg

Der dunkle Turm Bd.2: Der lange Heimweg

Der dunkle Turm Bd. 2: Der lange Heimweg
Idee und Gesamtleitung: Stephen King
Story und Beratung: Robin Furth
Skript: Peter David
Zeichner: Jae Lee, Richard Isanove
Übersetzung: Wulf Bergner
Verlag: Splitter

Dies ist der zweite Teil der Comic-Serie zu Stephen Kings großem Werk Der dunkle Turm. Aufmerksame FO-Leser werden sich erinnern, was ich in FO 239 zu dem ersten Band geschrieben habe. Dem ist auch für den zweiten Band kaum etwas hinzuzufügen, von Meistern ihres Fachs wie Peter David oder Jae Lee, erwartet man auch nicht weniger als ein so hohes Niveau.
Was mir aber im zweiten Band mal so langsam auf den Wecker geht, ist diese permanent niederdrückende Stimmung in diesem Comic und vielleicht auch Kings Romanen selber. Der dunkle Turm spielt bekanntlich in einer postatomaren Welt, in der alles mutiert ist, von Hunden und Pferden bis zu dem Menschen. Diese Welt hat King noch mit Elementen der Artus-Saga und des Wilden Westens gemixt. Ist ja so erst mal eine ganz interessante Mischung, aber das ganze ist so dermaßen in düsteren Farben und einer niederdrückenden Stimmung gehalten, dass man sich fragt, wie da ein Mensch überleben, geschweige denn leben kann. Ein wenig mehr Helligkeit würde dem Comic sehr gut tun. Aber vielleicht vertu ich mich ja auch und Horror-Liebhaber wollen einen King-Comic genau so haben und nicht anders, und ich bin erklärtermaßen weder Horror- noch King-Fan.

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind

Das Wolkenvolk: Seide und Schwert Bd. 2: Mondkind
Nach den Büchern von Kai Meyer
Textadaption: Yann Krehl
Zeichner: Ralf Schlüter
Tusche: Horst Gotta
Farben: Dirk Schulz
Verlag: Splitter

Mit diesem zweiten Band schließt das Splitter-Team die Comic-Adaption des ersten Buchs von Kai Meyers Fantasy-Zyklus Das Wolkenvolk ab. Dies war eine Premiere für den Verlag, denn zuvor wurden bei Splitter vor allem frankobelgische Comic-Reihen veröffentlicht. Da Kai Meyer zusammen mit Markus Heitz momentan zu den bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren gehört, ist es aus kaufmännischen Überlegungen nur sinnvoll, sich eines seiner Werke für ein erstes eigenes Comic-Werk zu sichern. Zumal bei einer Trilogie damit auf jeden Fall mal sechs Comicbände sicher sind.
Das Ergebnis der Umsetzung des ersten Bandes kann sich auch gut sehen lassen. In ruhigen, klaren Panels haben die Künstler Kai Meyers Werk übertragen, ohne in die manchmal hektisch, aber moderner wirkende Panelaufteilung vor allem amerikanischer Comics zu verfallen. Aber trotzdem wirkt Seide und Schwert nie altmodisch und die Action kommt auch nicht zu kurz. In einem Comic, der sich so sehr auf asiatische Mythen bezieht, wie dieser, wäre das auch fatal, denn dann sind fliegende Schwertkämpfer und Martial-arts-Künstler wie in einem Shaw-Brothers-Film geradezu Pflicht. Dabei ist aber dieser Comic in allen seinen Zeichnungen ein europäischer geblieben und versucht nicht, den asiatischen Stil zu kopieren. Damit bleibt der Comic immer ein blick von außen auf eine uns fremde Welt, im Comic versinnbildlicht durch die Figur des Niccolo, der für den Leser durch diese Welt wandert.
Neben dieser zweiteiligen Ausgabe von Seide und Schwert hat Splitter noch eine Buchausgabe herausgebracht, in der die Geschichte komplett erschienen ist. Das Format ist zwar kleiner als die Albenausgabe, stört aber nicht sehr, da die Zeichnungen nicht so stark verkleinert werden mussten, dass ihre Wirkung beeinträchtigt wäre.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.