Der einsame Reiter

»Jonah Hex« ist eine Comicreihe, die DC seit immerhin 1972 veröffentlicht. Hauptperson dieser Reihe ist der gleichnamige Kopfgeldjäger, der, entstellt von einer riesigen Narbe auf seiner rechten Gesichtshälfte, im Wilden Westen nach dem Bürgerkrieg unterwegs ist. Seine ersten Abenteuer erschienen in der Reihe »All Star Western«, waren jedoch schnell so beliebt, daß Jonah Hex zum einzigen Bestandteil dieser Reihe wurde und sie in »Weird Western Tales« umbenannt wurde. Eingestellt wurde diese Serie zwar 1985, doch sehr schnell danach wurde eine neue Jonah Hex-Serie gestartet, die allerdings nur bis 1987 lief. Seitdem wurden bei Vertigo, dem „erwachseneren“ Label von DC, mehrere Miniserien gestartet, bis dann 2005 eine neue ständige Reihe begann. Von dieser Serie liegen nun auch auf Deutsch die ersten Hefte vor.

In den alten Heften wurde Jonah Hex als zynischer und moralisch verkommener Charakter beschrieben. Da ich die alten Hefte nicht kenne, muss ich das mal so glauben, denn davon ist in den neuen Heften nicht viel übrig geblieben. Zwar ist Hex immer noch der entstellte Kopfgeldjäger, ist aber trotzdem seinen eigenen Moralvorstellungen verpflichtet, die dazu führen, daß er erbarmungslos gegen diejenigen vorgeht, die in seine Augen Unrecht begangen haben. Offensichtlichstes Vorbild für diesen „neuen“ Jonah Hex ist der junge Clint Eastwood aus den Dollar-Filmen, sichtbar vor allem daran, daß der Zeichner, Luke Ross, sich eindeutig Eastwood zum Vorbild genommen hat. Genau das ist auch eins der größten Probleme, die ich mit diesem Comic habe. Die Geschichten sind ziemlich gut, auch wenn ich Western lieber als Filme sehe, im Comic fehlt doch einiges von dem, was einen Western ausmacht. Aber dadurch, daß man andauernd Clint Eastwood mit Narbe im Gesicht sieht, fehlt diesem Comic die Eigenständigkeit, die gerade so eine relativ unbekannte Comicfigur nötig hätte, um sich bei den Lesern durchzusetzen. Und so ist vielleicht nicht zufällig die beste Geschichte in diesem Buch die von Ton Dezuniga gezeichnete, der der ursprüngliche Zeichner von Jonah Hex in den Siebzigern war. Hier kommt auch sehr viel stärker der ursprüngliche Hex durch, der sich einen Dreck um Recht und Gesetz schert und skrupellos seine Ziele durchsetzt.

Jonah Hex: Zeit zu sterben
Text: Justin Gray, Jimmy Palmotti
Zeichnungen: Luke Ross, Tony Dezuniga
Übersetzung: Christian Heiss
Verlag: DC Deutschland, Panini
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Altes Adamantium

50 Jahre, nachdem sich alle Superschurken des Marvel-Universums zusammengetan haben, um die Macht an sich zu reißen, leben von den ehemaligen Helden nur noch wenige. Einer von ihnen ist Logan alias Wolverine, der sich auf eine Farm zurückgezogen hat, um dort mit seiner Familie in Frieden zu leben. Mit dem uns bekannten Wolverine hat dieser alte Mann jedoch nicht mehr viel zu tun, etwas ist in ihm 50 Jahre zuvor zerbrochen. Doch dann taucht ein alter Bekannter auf, um ihn für einen Auftrag anzuheuern, der die beiden durch ganz Amerika führt.

Mark Millar gehört momentan sicher zu den besten Autoren, die Marvel und DC aufzubieten haben. Er hat die modernen Marvel-Comics entscheidend mitgeprägt, zum einen durch die Mini-Serie »Civil War«, in der die Grundsteine für die aktuelle Handlung gelegt wurden, wie auch im ultimativen Universum in der Reihe Ultimates (Die Rächer) und den Ultimate X-Men. Daneben fallen einem bei seinem Namen noch »Wanted« und »Kick Ass« ein, die beide fürs Kino verfilmt wurden. In »Old Man Logan« kombiniert Millar Elemente aus Western mit einem postapokalyptischen Szenario.

Wenn man Millars frühere Werke kennt, fallen einem noch andere Ähnlichkeiten auf. So zum Beispiel mit »Wanted«, wo auch die Superschurken die Helden umgebracht und die Macht an sich gerissen haben. Allerdings wird in »Old Man« die Geschichte aus der Sicht eines alten Helden beschrieben und nicht aus der eines der Verbrecher. Auch sonst merkt man ganz stark, wo sich Millar bedient hat. Clint Eastwoods »Erbarmungslos« gehört da noch zu den offensichtlichsten Anleihen.

Millars Grundidee für diese Geschichte ist nur konsequent. Gegen verbündete Superschurken hätten die Helden niemals eine Chance, sie wären einfach zu sehr in der Inderheit. Vor allem, wenn die Bösewichte dann auch noch so perfide vorgehen wie in diesem Comic. Zurück bleiben 50 Jahre später ein gebrochener Logan, der geschworen hat, seine Krallen nie wieder einzusetzen, und ein Amerika, das zwischen den Schurken aufgeteilt wurde. Dieser Comic ist so etwas wie ein Italowestern der Superheldencomics, denn auch hier gibt es keinen Helden mehr, sondern nur einen Mann, dem seine Hoffnungen und Ideale zerstört worden sind und der trotzdem versucht, sein Leben, so gut wie ihm möglich, weiter zu führen.

Dies ist ganz sicher nicht Mark Millars bestes Werk, denn dafür fehlt in »Old Man Logan« die Konsequenz und Radikalität, die »Wanted« so faszinierend gemacht haben. Dennoch ist dieser Band um vieles besser als das meiste, was so jeden Monat auf den Comic-Markt geschmissen wurde.

Marvel exklusiv 84: Old Man Logan
Text: Mark Millar
Zeichnungen: Steve McNiven
Übersetzung: Jürgen Petz
Verlag: Marvel Deutschland, Panini
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Superhelden mit Schlapphut?

Es passiert ja immer mal wieder, daß man in den Redaktionen der Comic-Verlage auf die mehr oder minder originelle Idee kommt, ihre Helden aus ihrer bekannten Geschichte zu reißen und in neue Kulissen zu setzen. Von der Kolonialzeit Amerikas (Neil Gaimans 1602) bis zur fernen Zukunft ist man da schon gegangen. Für diese neue Reihe Marvels geht man allerdings nur etwa 80 Jahre in die Vergangenheit und verfrachtet einige der bekanntesten Superhelden in die Zeit von Al Capone, Phillip Marlowe und Sam Spade: In die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Zugegeben, es gibt sicher langweiligere Epochen der amerikanischen Geschichte, die man auswählen kann, aber trotzdem, ist gerade diese Zeit doch mit so vielen starken Bildern besetzt, daß es nicht gerade einfach sein dürfte, moderne Helden wie Spider-Man, die X-Men oder Daredevil in diese Zeit zu verfrachten. DC hätte es da etwas einfacher gehabt, immerhin ist ihr Batman ein direkter Nachfahre dieser Crime-Noir-Geschichten.

Den Anfang macht jetzt jedenfalls Spider-Man, dessen Geschichte in New York 1933 spielt. Die Stadt ächzt unter der Weltwirtschaftskrise und es bereichern sich Verbrecherbosse wie Norman Osborn an der angespannten Situation. Hine und Sapolsky haben versucht, ziemlich viele bekannte Gestalten aus »Spider-Man« in dieser Mini-Serie unterzubringen. Von Pflichtfiguren wie Osborn, JJ Jameson, Tante May und Onkel Ben bis zu netten Nebenfiguren wie Kraven oder der Geier.

Das Problem, das ich sehe, ist, daß jemand wie Spider-Man kaum vernünftig in eine Noir-Geschichte zu packen ist. Gerade diese Geschichten leben davon, daß es kein klar abgegrenztes Gut/Böse-Schema gibt, die „Helden“ sind fast immer gebrochene Figuren, zynische Detektive wie ein Sam Spade, die vor allem ihren eigenen Vorteil im Sinn haben. Spider-Man gehört zu den Marvel-Helden, die absolut für das Gute stehen und dafür kämpfen, wenn man ihnen diese nimmt, hat man vollkommen andere Helden. Das wäre zwar auch mal ein interessanter Ansatz gewesen, aber soweit wollte man bei Marvel offensichtlich dann doch nicht gehen Und so sind in dieser Geschichte die Nebenfiguren ungleich interessanter als die Hauptperson, sei es Ben Urich als korrumpierter und heroinsüchtiger Bildjournalist oder Felicia Hardy als Nachtclubbesitzerin und Ex-Geliebte Urichs. Den Nebenfiguren merkt man auch an, daß sich die Autoren bemüht haben, sie in diese Zeit anzupassen. Bei Peter Parker dagegen hat man nicht viel mehr gemacht, als ihm ein anderes Kostüm anzuziehen und die Entstehung anzupassen, das war es dann schon. Trotzdem ist diese Geschichte sehr gut geworden, sie ist spannend und lebt von der guten Charakterisierung der Figuren und der Illustration des New Yorks der dreißiger Jahre.

Für das Projekt Marvel Noir ist dieser Band ein guter Auftakt. Ich verspreche mir aber von den kommenden Bänden etwas mehr, denn Helden wie Wolverine oder Daredevil passen besser in eine Noir-Geschichte als Spider-Man.

Marvel Noir: Spider-Man
Text: David Hine, Fabrice Sapolsky
Zeichnungen: Carmine Di Giandomenico
Übersetzung: Michael Strittmatter
Verlag: Marvel Deutschland, Panini
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Kein Surrogat, das Original

Vor einem Nachtklub wird ein Pärchen von einem Unbekannten beim Sex erwischt und von ihm getötet. Als die Polizei am Tatort eintrifft, stellt sich heraus, daß die zwei keine echten Menschen waren, sondern Surrogate, künstliche Stellvertreter, durch die die Menschen mit ihrer Außenwelt agieren können, ohne ihre Wohnung zu verlassen. Dies ist nicht nur der Beginn des neuesten Films mit Bruce Willis, der gerade im Kino läuft, sondern auch des Comics, auf dem der Film basiert.

Doch bereits ab diesem Punkt entwickeln sich Comic und Film völlig unterschiedlich, und es ist faszinierend, wie eine Geschichte sich trotz gleicher Grundlagen verschieden entwickeln kann. Während im Film nicht nur die Surrogaten getötet wurden, sondern auch ihre Besitzer, überleben im Comic die Menschen die Zerstörung ihrer künstlichen Körper. Vielleicht ist dies am Anfang nur ein unbedeutender Unterschied, doch damit dreht sich die ganze Geschichte und wird viel nachvollziehbarer für den Leser. Ohne zuviel über den Inhalt von Film und Comic zu verraten, erledigt sich durch diese eine Tatsache einer der ganz großen Schwachpunkte des Films, nämlich das Motiv für die Zerstörung der Surrogaten und den Plan, um dieses Ziel zu erreichen.

Doch auch bei der weiteren Lektüre lässt der Comic seine Verfilmung weit hinter sich. So ist die Hauptperson des Comics, Harvey Greer, etwa meilenweit von Bruce Willis Darstellung entfernt. Während man im Film große Mühe hatte, dem grau gewordenen Kämpen Willis abzunehmen, daß er sich in einen Surrogaten verkriecht, fällt dies beim Comic-Greer überhaupt nicht schwer. Dies ist kein Actionheld, sondern einfach ein Mann, der versucht, seinen Job zu machen und dafür jede Hilfe, auch die eines Roboterkörpers, annimmt. Auch zum Schluss verweigern sich die Autoren eines Happyends wie im Film, sondern entschlossen sich zu einem der Geschichte angemesseneren Ende.

Wer aus diesem Film unzufrieden heraus kam, sollte sich diesen Comic vornehmen. Viele Fehler, die im Film eingebaut wurden, kommen hier nicht vor. Auch die Welt gesamt ist im Comic erheblich glaubwürdiger, wozu auch die zwischen die Kapitel eingebauten fiktiven Artikel und Werbebroschüren für Surrogate beitragen.

Surrogates
Text: Robert Venditti
Zeichnungen und Farben: Brett Weldele
Übersetzung: Christian Langhagen
Verlag: Cross-Cult
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Aufgefallen im Januar

Batman/Superman Sonderband 2: Superbat; Zweckgemeinschaft
Text: Michael Green, Mike Johnson; Len Wein
Zeichnungen: Rags Morales; Chris Batista
Übersetzung: Steve Kups
Verlag: Panini Comics, DC Deutschland

Im ganzen DC-Universum dürfte es keine zwei gegensätzlicheren Charaktere geben als Superman und Batman. Trotzdem, oder gerade deshalb, werden die beiden von Autoren immer wieder und gerne zusammen in den Kampf gegen das Verbrechen geschickt, ergeben sich doch aus den Reibungen der zwei so unterschiedlichen Sichtweisen, wunderbare Ansätze für interessante Geschichten.

In diesem Band wird in der ersten Geschichte versucht, diesen Gegensatz noch auf die Spitze zu treiben, denn die beiden Helden tauschen hier ihre Fähigkeiten. Während Batman, mit Supermans übermenschlichen Gaben ausgestattet, sich in der Lage sieht, endlich mit dem Verbrechen in Gotham endgültig aufräumen zu können, sieht sich Superman mit einer bisher ungekannten Menschlichkeit konfrontiert, mit der er sich aber nicht mehr als Alien unter Menschen fühlen muss.

Das Problem an Geschichten mit Superman war immer, daß dieser Kerl als das ultimativ Gute geschaffen wurde. Nur selten konnten Autoren diesen Panzer aus Gutsein durchbrechen und interessante Facetten am kostümierten Pfadfinder aufzeigen. Entsprechend langweilig sind die meisten Geschichten mit dem Stählernen. Batman konnte dagegen nie seine Wurzeln in den Detektivgeschichten der dreißiger Jahre, etwa von Hammet oder Chandler, verleugnen. Er hatte immer eine dunkle Seite, die ihn viel interessanter und spannender machte als viele seiner Kollegen.

Dies zeigt sich wieder mal in dieser Geschichte. Während Superman sich mehr oder minder mit seinem Schicksal abfindet, nutzt Batman seine neuen Fähigkeiten gnadenlos aus und begibt sich auf einen Feldzug gegen das Verbrechen, bei dem er zunehmend skrupelloser agiert und auch vor Verbündeten und Freunden nicht haltmacht. Und so muss Superman trotz seines Verlusts eingreifen, um Batman zu stoppen und seine Gaben zurückzuerlangen.

Batmans brutaler Feldzug ist ihm Rahmen seines Charakters völlig nachvollziehbar. Angetrieben vom Trauma des Verlusts seiner Eltern, kann er nun so gegen das Verbrechen vorgehen, wie er es immer wollte, aber nie konnte. Dabei legt er immer mehr die moralischen Fesseln ab, die er sich bisher auferlegt hat. Daß dies im Nachhinein durch den Fluch erklärt wird, der zu dem Tausch der Fähigkeiten führte, ist eine Schwäche der Geschichte, aber nötig, denn sonst könnte Batman am Ende kaum in den Kreis der Superhelden zurückkehren. Supermans Rolle bleibt dagegen mal wieder etwas blass, denn er kann auch ohne seine Gaben nicht aus seiner Pfadfinderhaut und so verpassen die Autoren eine Chance, diesem Charakter mal wieder etwas mehr Tiefe zu geben.

Im Vergleich zu dieser ersten, sehr gut erzählten Geschichte fällt die zweite ganz extrem ab. Sie ist eigentlich nicht mehr als der übliche Helden/Schurkenkampf, der nur dadurch etwas interessanter wird, daß Batmans und Supermans Gegner ein Mischwesen aus den beiden ist und ihre Fähigkeiten besitzt. Ansonsten ist dies eine typische Zweitgeschichte, die nicht groß von der eigentlichen Hauptgeschichte ablenkt.

Aber für diese Hauptgeschichte lohnt sich dieser Sonderband auf jeden Fall. Sie bietet eine Geschichte, die sich vom normalen Superheldeneinerlei abhebt, da sie einen unserer Helden mit seinen dunklen Seiten konfrontiert.

Incognito: Stunde der Wahrheit
Text: Ed Brubaker
Zeichnungen: Sean Phillips
Übersetzung: Claudia Fliege
Verlag: Panini Comics

Irgendwie scheint es einigen Superheldenautoren keinen Spaß mehr zu machen, Comics über Helden zu schreiben. Daß Garth Ennis dieses Genre nicht leiden kann, ist ja bekannt und er kompensiert das momentan auch ganz erfolgreich mit »The Boys«. Mark Millar schrieb mit »Wanted« einen der interessantesten Comics der letzten Jahre, der sich nur um Superschurken drehte und Ed Brubaker setzt nun mit Incognito den Pulp-Magazinen der dreißiger Jahre ein Denkmal, in denen die Basis für die Superhelden-Comics gelegt wurde, wie wir sie heute kennen.

„Held“ seines Comics ist Zack Andersen, ein ehemaliger Superschurke, der sich in einem Zeugenschutzprogramm verstecken muss, nachdem er gegen seinen ehemaligen Boss ausgesagt hat, um seine eigene Haut zu retten. Seine Fähigkeiten werden durch Drogen unterdrückt und er führt nun das langweilige Leben eines Büroboten, den niemand wirklich wahrnimmt. Doch dann erhält Zack seine Fähigkeiten wieder zurück und er muss sich nun entscheiden, wie er sie in Zukunft einsetzen wird.

Der Reiz solcher Noir-Geschichten liegt ja bekanntlich darin, daß es keine klar abgesteckten Gut/Böse-Seiten gibt, sondern zuallererst Menschen, die versuchen, einigermaßen unbeschadet durchs Leben zu kommen. Auch Zack Andersen gehört dazu, nur weiß er, daß er mal zu denen gehörte, die die Macht haben und diese auch einsetzten, und nach diesen Zeiten dürstet er verzweifelt. Als er diese Macht zurückerhält und damit eine Frau vor Dieben rettet, ist dies dann auch keine bewusste Entscheidung, sondern mehr dem Zufall geschuldet, daß er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Das macht ihn nicht zu einem besseren Menschen, gibt seinem leben aber damit eine Richtung, die es ins einem ersten Leben nicht gehabt hat, als er zusammen mit seinem Zwillingsbruder für eine Verbrecherorganisation tätig war. Doch jetzt hat er im Gegensatz zu damals die Möglichkeit, sich zu entscheiden, wie er mit seinen wieder gewonnenen Gaben umgeht und wie er sie einsetzt.

Brubakers Figuren haben im Gegensatz zu den „normalen“ Superhelden den Vorteil, daß sie nicht wie Abziehbilder daherkommen, sondern trotz ihrer Fähigkeiten wie Menschen wirken. Ihre Leben und Entscheidungen spiegeln viel stärker unser eigenes Leben wieder und was wir daraus machen. Und trotz seiner sehr düsteren Grundstimmung und zweifellos vorhandenen Brutalität ist dieser Comic am Ende viel positiver als etwa Millars »Wanted«, denn »Incognito« lässt seinem Helden und damit uns den freien Willen, wie wir unsere Fähigkeiten einsetzen.

Batman 35/36: Was wurde aus dem Dunklen Ritter?
Text: Neil Gaiman
Zeichnungen: Andy Kubert
Übersetzung: Steve Kups

Verlag: Panini Comics, DC Deutschland

Batman ist tot, gestorben während der Final Crisis im Kampf gegen Darkseid (fragt mich bloß nicht, wer das genau ist, irgend so ein außerirdischer Obermotz mit gottgleichen Fähigkeiten). Und das nach 70 Jahren unentwegten Kampfes gegen das Böse. Die Figur Batman und sein Alter Ego Bruce Wayne entstand 1939 aus der Feder des Zeichners Bob Kane und gehört damit neben Superman zu den am längsten agierenden Superhelden. Von daher ist es eigentlich nur schwer vorstellbar, daß Bruce Wayne tatsächlich tot ist, denn ebenso wie nur Clark Kent Superman sein kann, kann nur Bruce Wayne Batman sein, wie die Macher bei DC schon damals erfahren mussten, als sie versuchten, Bruce Wayne durch Jean-Paul Valley zu ersetzen, jedoch durch den Protest der Leser sehr schnell zurückruderten und den einzig wahren Batman wieder einsetzten. Von daher ist es nicht allzu gewagt, zu vermuten, daß über kurz oder lang auch dieses Mal wieder Bruce Wayne die Fledermausmaske tragen wird. Die Frage ist eben nur, wie sie ihn von den Toten auferstehen lassen, aber das war noch nie ein größeres Problem bei Superhelden, sie Supermans angeblichen Tod.

Aber jetzt ist Batman erst mal tot und wir haben uns der traurigen Tatsache zu stellen. Literarisch übernimmt diese Aufgabe Neil Gaiman zusammen mit Andy Kubert, indem er diesen Zweiteiler über die Trauerfeier schreibt. In einer recht schäbigen Kaschemme finden sich nicht nur Batmans langjährige Freunde, sondern ebenso auch seine alten Feinde ein, um ihremWeggefährten die letzte Ehre zu erweisen. So sitzen wohl das erste Mal der Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman friedlich neben Comissioner Gordon, dem Butler Alfred und Robin. Trauer schweißt halt zusammen. Nacheinander treten sie nun vor den Sarg und erzählen ihre Geschichte mit Batman und wie sie seinen Tod erlebten.

Diese Geschichte ist eine einzige Referenz an die lange Geschichte Batmans. So erinnern die Zeichnungen in jeder Geschichte einer anderen Epoche vom Golden Age der 50er über die siebziger und achtziger bis zu den modernen Zeichnungen heute. Auch der Titel ist schon eine Referenz, nämlich an die klassische Superman-Geschichte von Alan Moore: »Was wurde aus dem Mann von morgen?«

Gaiman erzählt eine Geschichte, wie man sie von ihm erwarten konnte. Weniger eine klassische, actionreiche Superheldenstory, sondern mehr ein ruhige, dem traurigen Anlass angemessen, fast metaphysische Geschichte über das Leben, den Tod und das Leben danach. Dabei lässt er keine Zweifel daran, daß für ihn die zwei Aspekte Bruce Wayne und Batman untrennbar zueinander gehören und alleine nicht existieren können. Damit verstärkt er natürlich die Zweifel am endgültigen Tod des alten Batman, aber anscheinend ist es so von der Chefredaktion bei DC gewollt und wird mehr auf einen Neustart der Serie mit dem alten Batman hinauslaufen und einer Zwischenphase, in der ein Vertreter das Fledermauskostüm tragen wird.

Als Abschluss einer Periode im langen Leben Batmans ist dieser Band von Neil Gaiman und Andy Kubert auf jeden Fall grandios geraten. Dies ist ein Heft, das man immer mal wieder in die Hand nehmen kann und neue Aspekte in den Zeichnungen und der Geschichte entdeckt. Eine Perle in einer monatlich erscheinenden Serie.

Storm Bd. 10: Die Piraten von Pandarve
Text: Martin Lodewijk
Zeichnungen: Don Lawrence
Übersetzung: James ter Beek und Nikolaus Danner
Verlag: Splitter

Mit diesem Band machten die Autoren von »Storm« nach neun Bänden 1982 eine bedeutende Zäsur. Storm und seine Gefährtin Rothaar verlassen hier nicht nur die Erde und werden auf den lebenden Planeten Pandarve verschlagen, auch im Autorenteam gab es mal wieder einen Wechsel. Martin Lodewijk, der die Serie bisher nur als Art Director des Verlags Eppo betreut hatte, wechselte mit dieser Ausgabe endgültig auf den Texterposten bei »Storm«. Genauer wird die Entstehung dieses Bandes wie in jedem der zehn Bände im Hintergrundartikel am Ende des Albums geschildert. Jedenfalls war damit das ewige Texterwechseln beendet, das in den vorangegangenen Bänden eine kontinuierliche Erzählung verhindert hatte. In der Geschichte wirkte es sich so aus, daß der Zyklus der Tiefen Welt, der auf einer Erde in Millionen Jahren spielte, beendet wurde und ein neuer Zyklus begann, der als »Die Chroniken von Pandarve« bekannt werden und bis in die aktuellen Hefte andauern sollte.

Storm und Rothaar werden vom Theokraten von Pandarve entführt, da dieser auf der Suche nach einer Anomalie war, als die sich Storm entpuppt. Die zwei werden im Laufe der Geschichte getrennt, Rothaar gerät in die Hände des Theokraten Marduk, während Storm als Sklave in den Minen arbeiten muss, wo er auf den rothäutigen Nomad trifft, der ihn seitdem auf all seinen Abenteuern begleitet.

Der Geschichte hat der Texterwechsel offenkundig gut getan. Während in den vorigen Bänden meist abgeschlossene Geschichten erzählt wurden, die maximal über zwei Bände gingen, hat man hier zum ersten Mal das Gefühl, dem Beginn einer großen Geschichte beizuwohnen. Außerdem merkt man, daß Don Lawrence und Martin Lodewijk bereits seit Jahren zusammenarbeiten und sich dementsprechend gut kennen, immerhin haben die beiden zusammen »Storm« aus der Taufe gehoben. Ein Problem hab ich aber seit dem ersten Band mit den Zeichnungen von Don Lawrence. Man ginge sicher viel zu weit, wenn man ihm Rassismus vorwerfen würde, aber es ist schon auffallend, daß die Guten prinzipiell großgewachsen, gutgebaut, und in ihren Gesichtszügen eher kaukasisch sind. Während die Schurken immer krumm gewachsen sind, verschlagene Gesichtszüge besitzen und ein asiatisches Aussehen haben. Das hat wohl was damit zu tun, daß »Storm« in der Tradition von Pulp-Serien wie »Flash Gordon« oder »Buck Rogers« steht, aber trotzdem kann man sich bei einigen Zeichnungen eines dummen Gefühls nicht erwehren.

Diesem ersten Band des neuen Zyklus merkt man das Bemühen um einen Neuanfang an, bei dem man versuchte den Helden in eine neue Umgebung zu verfrachten, ohne ihm seinen Status als Außenseiter zu nehmen. Durch die neue Umgebung auf Pandarve hatte man sich auf elegante Weise dem missglückten Konnzept der tiefen Welt entledigt, das eigentlich bereits nach den ersten zwei Bänden überflüssig geworden, von dem man sich aber erst jetzt mit Lodewijks Einstieg als Texter trennen konnte. Von daher ist dies sicher einer der wichtigsten Bände in der »Storm«-Reihe und für alle an dieser Serie Interessierten ein Muss.

Storm Bd. 0: Kommandant Grek
Text: Vince Wenham
Zeichnungen: Don Lawrence
Übersetzung: James ter Beek und Nikolaus Danner
Verlag: Splitter

Dieser Band ist quasi ein Pilot zur »Storm«-Reihe, in der schon viele der bekannten Figuren auftauchten, aber teilweise noch unter anderen Namen. Auch diese Geschichte dreht sich um einen Astronauten, hier noch namens Grek, der ebenso wie Storm in die Zukunft unserer Erde verschlagen wird und sich dort in der Tiefen Welt zurechtfinden muss. Diese Tiefe Welt basierte auf einem Artikel in »National Geographic«, in dem es um den Meeresgrund ging, nachdem die Ozeane verschwunden waren.

In dieser Tiefen Welt werden die Menschen von Fischwesen versklavt und der aus der Vergangenheit kommende Grek wird zum Anführer des Befreiungskampfes. Ehrlich gesagt, ist dieses Konzept auch nicht schlechter als das dann bei »Storm« umgesetzte. Der Grund, warum die Geschichte dann doch nicht so umgesetzt wurde, sondern als »Storm« neu egstartet wurde, lagen dann auch wohl mehr an der Tatsache, daß die Chefredakteure von »Eppo« mit dem Texter Vince Wernham nicht zufrieden waren und sich nach einem Ersatz umsahen, den sie dann in Phillipp Dunn fanden, der den ersten Storm-Band texten durfte.

In einer kompletten Edition darf dieser Vorläuferband natürlich auf keinen Fall fehlen, und ist so für Fans dieser Reihe sicher ein Pflichtkauf.

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Aufgefallen

wanted
Wanted
Text: Mark Millar
Zeichnungen: J. G. Jones
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Verlag: Panini Comics

Wesley Gibson sitzt in einem Großraumbüro, isst jeden Mittag ein Sauerteig-Sandwich mit Lachs in Sesampanade und Wasabi-Mayonaise, und sein bester Freund vögelt seine Freundin. Also ein richtig tolles Leben. Doch dann tritt eine Frau in sein Leben, die zum Aufwärmen erstmal die komplette Kundschaft eines Diners niedermäht und Wesley dann eröffnet, daß sein Vater ein Auftragskiller war, vor kurzem ermordet wurde und er den Platz seines Vaters in einer geheimen Bruderschaft übernehmen soll.

So eröffnet Mark Millar seine Miniserie »Wanted«, in der er so ziemlich alles auf den Kopf stellt, was man bisher aus Superhelden-Comics so kannte. Denn in dieser Welt gibt es keine Helden mehr. Die wurden allesamt von den Superschurken ausgeschaltet, die hier tatsächlich mal intelligent genug waren, sich zusammen zu tun und ihre Gegner eine nach dem anderen zu töten. Und nun soll ein stinknormaler kleiner Angestellter in die Reihen dieser Bruderschaft aufgenommen werden, die seitdem im geheimen unsere Welt beherrscht.

Verfilmt wurde dieser Comic bekanntermaßen mit Angelina Jolie und Morgan Freeman, aber ich bezweifel ganz stark, daß dieser Film auch nur annähernd an diesen Comic heranreicht, denn dies ist so ziemlich der negativste und pessimistischste „Superhelden“-Comic, der mir je untergekommen ist. Bereits in »Civil War« und »Die Ultimativen« hat Millar beweisen, daß er bereit ist, die Grenzen der Mainstream-Comichefte zu überwinden und neu zu erfinden, aber gegenüber »Wanted« waren diese Hefte nur zum Aufwärmen gedacht.

Dabei darf man aber nicht dem Irrtum verfallen, »Wanted« für eine bloße Aneinanderreihung von Metzelszenen und Obszönitäten zu halten. Dieser Comic ist vielmehr eine Parabel auf unsere moderne Welt, die gerade heutzutage im Angesicht der Finanzkrise und der Macht einiger Konzerne verstörender ist, als sie vielleicht bei der Erstveröffentlichung 2003 war. Und in diesem Bewusstsein muss eigentlich jedem Leser bei den letzten zwei Seiten ein kalter Schauder über den Rücken laufen.

Millar hat mal zu »Wanted« gesagt, daß er diese Geschichte als Gegenentwurf zu Spider-Man sieht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

mythosMarvel Mythos
Text: Paul Jenkins
Zeichnungen: Paolo Rivera
Übersetzung: Reinhard Schweizer
Verlag: Panini Comics, Marvel Deutschland

Nach dem Gegenentwurf zu den klassischen Superhelden-Comics hier jetzt genau dieses, nämlich Neuerzählungen der Entstehungsgeschichten der klassischen Marvel-Helden von Captain America über die Fantstischen Vier und Spider-Man bis zu den X-Men, also einigen der erfolgreichsten Verfilmungen der letzten Jahre und im Falle von Cap ein kommender Film. Ach ja, und dann hat sich aus irgendeinem Grund noch der Ghost Rider in diesen Band verirrt, außer der schiefgegangenen Verfilmung mit Nicolas Cage fällt mir allerdings kein Grund ein, was diese Geschichte hier zu suchen hat.

Im Gegensatz zu den Neuerzählungen aus dem ultimativen Universum, in denen die bekannten Helden teilweise auch neu erfunden wurden, werden in »Mythos« die klassischen Entstehungsgeschichten behutsam modernisiert und neu erzählt. Wer die alten Geschichten kennt, wird hier absolut nichts Neues erfahren, doch für jüngere Leser kann dieser Band jedoch durchaus interessant sein, wenn man nur die neueren Geschichten kennt.

Man muss Jenkins zu Gute halten, daß er es schafft, die alten Entstehungsgeschichten gut in die Moderne überführt zu haben. Daß man dabei nicht wirklich etwas Neues über die Helden erfährt, muss man da wohl in Kauf nehmen.

Für Leute, die diese Superhelden bisher nur aus dem Kino kenne, ist dieser Band sicher interessant, Comic-Kenner werden sich hier wohl eher langweilen.

lockekeyLocke & Key: Willkommen in Lovecraft
Text: Joe Hill
Zeichnungen: Gabriel Rodriguez
Übersetzung: Reinhard Schweizer
Verlag: Panini Comics

Joe Hill ist ein Autoren-Pseudonym, allerdings wohl eines der am schlechtesten gehüteten der Comic-Welt. Denn hinter diesem Namen verbirgt sich Joseph Hillstrom, einer der Söhne von Horror-Autor Stephen King, der zuerst ohne Vater-Bonus erfolgreich sein wollte, doch das Geheimnis wurde schon vor der Veröffentlichung seines Erstlingswerks »Blind« gelüftet. Dem Erfolg schadete dies allerdings nicht.

Mit »Locke & Key« debütiert Joe Hill nun als Comic-Autor und man kann nicht gerade behaupten, daß er seine Wurzeln groß verleugnen würde, den diese Geschichte hätte genauso nach Vorlage eines King-Romans entstanden sein.

Nach der Ermordung ihres Vaters ziehen die Kinder Tyler, Kinsey und Bode mit ihrer Mutter in den Ort Lovecraft, um dort neu an zu fangen. In diesem Ort in Massachusetts wohnt ihr Onkel in einem geheimnisvollen Anwesen namens Keylocke, wo es offensichtlich mehr Türen als Räume gibt. Und so nimmt die Geschichte genau den zu erwartenden Verlauf, ohne dabei groß mit Überraschungen aufzuwarten. Die Geschichte ist dabei allerdings nie langweilig, denn neben der Horrorgeschichte konzentriert sich dieser Comic vor allem auf die drei Kinder, die alle auf ihre Weise versuchen, mit dem Trauma nach der brutalen Ermordung ihres Vaters fertig zu werden und hier zeigt Hill, daß er die Begabung seines Vaters fürs Geschichten erzählen geerbt hat.

Doch ist dieser Band eh nur als Auftakt zu sehen, in den nächsten Bänden wird sich noch stärker zeigen, was sich hinter diesem geheimnisvollen Anwesen und seinem Namen verbirgt, denn die ersten Schlüssel sind bereits aufgetaucht. Die Frage ist nur, zu welchen Türen gehören sie?

orbitalOrbital 2.1: Nomaden
Text: Sylvain Runberg
Zeichnungen: Serge Pellé
Übersetzung: Tanja Krämling
Verlag: Splitter

Reine SF-Comicserien sind immer noch relativ selten. Auch im ziemlich großen Angebot bei SPLITTER kann man solche Serien an einer Hand abzählen. Eine davon wird erfreulicherweise nach dem ersten Album »Brüche« jetzt fortgesetzt. »Orbital« geht mit »Nomaden« endlich in die zweite Runde.

Orbital ist eine Raumstation, die der IDA, der Interplanetaren Diplomatischen Abteilung, als Ausgangsbasis für ihre Missionen dient, die den Frieden zwischen den Welten erhalten sollen. Hauptpersonen sind die beiden Agenten Kaleb Swany und Mezoke Izzua, deren Verhältnis durch die Tatsache kompliziert wird, daß ihre Völker bis vor kurzem in einen erbitterten Krieg verwickelt waren. Diese beiden Völker, Menschen und Sandjaren, wollen sich nun während einer großen Zeremonie in Kuala Lumpur offiziell versöhnen. Dummerweise hat sich ein galaktisches Nomadenvolk ausgerechnete jetzt diese Region der Erde als vorübergehenden Aufenthaltsort ausgesucht und provoziert damit einen Bürgerkrieg.

Die Geschichten um die IDA zeichnet aus, daß hier die Menschen nicht das dominierende Volk sind. Im Gegenteil werden sie aufgrund des Kriegs gegen die Sandjaren Allierte zweiter Klasse in der Konföderation angesehen und Swany ist der erste Mensch, der als Agent der IDA eingesetzt wird. Die IDA wird eingesetzt, um Konflikte zwischen den verbündeten Völkern friedlich beizulegen und zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Kein Wunder also, daß sich auch diese neue Geschichte um den Umgang zweier völlig fremder Völker dreht und um das Misstrauen, das aus Angst vor dem Unbekannten entsteht.

Aber neben dieser „Metaebene“ (ein tolles Wort ….) ist »Orbital« erst einmal eine spannend erzählte Agentengeschichte, die von Runberg und Pellè in eine durchweg glaubwürdig entwickelte SF-Welt versetzt wurde, mit der man sich als Leser zu jeder Zeit identifizieren kann. Für SF-Fans unter den Comic-Lesern führt an dieser Serie kaum ein Weg vorbei.

perryPerry – Unser Mann im All
Heft 137: Mutanten an die Macht
Verlag: Alligator-Farm

Trotz der vielen Turbulenzen um die ALLIGATOR FARM ist mit der 137 bereits die achte Ausgabe der Neuauflage der klassischen Perry-Comics aus den Siebzigern erschienen. Nachdem die ersten Hefte noch stark der Tradition der alten Serie verhaftet waren, was durchaus seinen Reiz hatte, muss man feststellen, daß »Perry« sich inzwischen von diesen Fesseln befreit hat.

Für Leser der Rhodan-Serie muss der Comic erst mal völlig verwirrend sein, denn die Autoren bedienen sich nach Lust und Laune im kompletten PR-Universum und mixen alles wild durcheinander. Man kann bald Wetten abschließen, daß das den Puristen unter den Fans die Zornesröte ins Gesicht treiben wird, aber eine gute Geschichte entschuldigt ziemlich viel. Immerhin stehen die neuen Hefte damit weiterhin in der Tradition der alten Serie.

Mit der Titelgeschichte „Mutanten an die Macht“ wird dabei die fortlaufende Geschichte aus den vorigen Heften fortgesetzt. Alaska Saedelaere soll dabei als Massenmörder hingerichtet werden und es kommt zum Putsch durch Reginald Bulls Stellvertreter. Trotz dem Mischmasch aus alten Helden wie Goratschin und aktuellen Schurken wie Koor Parkinson ist dies eher eine konventionelle Comic-Geschichte, was ich hier ein wenig vermisse, ist der Stil aus den ersten neune Heften, die viel stärker dem Stil der Siebziger verbunden waren und in denen Karl Nagel auch keine Hemmungen hatte, einen Pilz-Dom als gigantischen Penis zu zeichnen. Im Vergleich dazu kommt diese Geschichte zeichnerisch extrem konventionell rüber, ist aber erzählerisch gut gemacht und macht am Ende neugierig auf die Fortsetzung in Nr. 138. Die anderen 5 Geschichten sind eher Kurzstories, in denen sich Nachwuchskünstler austoben konnten, was man an den Zeichnungen sehr merkt, die sich im Stil ganz extrem unterscheiden. Das kann nicht immer jeden Geschmack treffen, ist aber nie langweilig. Auf jeden Fall kann mir mal Gucky mit Bodybuilder-Figur bewundern, das bekommt man auch nicht immer zu sehen.

Insgesamt wieder ein interessantes Heft, das die Alligatoren da zusammengestellt haben. Hoffentlich folgen noch viele nach.

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Diese Stadt ist ein Dschungel

Willkommen im Dschungel
Die Dresden Files Bd. 1: Willkommen im Dschungel
Text: Jim Butcher
Zeichnungen: Ardian Syaf
Übersetzung: Oliver Hoffman & Astrid Mosler
Verlag: Panini Comics

Eine meiner momentanen Lieblingsbuchreihen sind die »Dresden Files« über den magiebegabten Privatdetektiv Harry Dresden, der in Chicago seine Fälle löst. Neben inzwischen 11 Büchern gibt es bereits eine Fernsehserie, die in den USA beim Scifi-Channel lief, und jetzt auch den ersten Comic, der auf Deutsch bei Panini erscheint. Als Autor zeichnet Jim Butcher, der Erfinder des Magiers persönlich, verantwortlich, so daß man sich als Dresden-Fan wenigstens keine Sorge um Widersprüche zu den Büchern machen muss. Zeitlich spielt dieser Comic vor den Büchern, eine Kenntnis der Bücher ist damit nicht unbedingt erforderlich.
Man könnte sogar soweit gehen, daß es für den Genuss des Comics sogar besser ist, wenn man noch keines der Bücher gelesen hat, denn wieder mal gibt es ein Problem mit den Bildern, die man sich als Leser von Geschichten macht und dem, was ein Comiczeichner in dieser Geschichte sieht. Da ist es auch völlig egal, ob der Autor selber am Comic mitgearbeitet hat und die Bilder so abgenickt hat. Der Leser stellt sich seine Helden wohl immer anders vor und ist dann enttäuscht, wenn diese auf einmal ganz anders aussehen. So auch hier. Zwar ist die Hauptfigur, der Magier Harry Dresden, ziemlich gut getroffen, aber leider haut es grad bei der zweiten wichtigen Figur, der Polizistin Karrin Murphy, nicht mehr hin, die entspricht so gar nicht meinen Vorstellungen, nachdem ich zehn der Bücher gelesen hab. Aber ansonsten trifft der Zeichner Ardian Syaf die Stimmung der Bücher sehr gut, dafür, daß dies sein erster großer Comic ist, liefert er ein beeindruckendes Debüt ab. Diese Geschichte ist von Jim Butcher als Vorlauf zum ersten Buch, »Sturmnacht«, gedacht, vor dem sie auch unmittelbar spielt. Mehr als das wird auch nicht geliefert. Im Vergleich zu den Büchern ist dieser Fall ziemlich einfach gestrickt und es fehlt noch der große Überbau, der mit die Faszination der Buchreihe ausmacht. Als erster Einstieg in die Welt von Harry Dresden funktioniert »Willkommen im Dschungel« aber einwandfrei und wird sicher weitere Fans für die Dresden-Akten gewinnen. Bleibt nur abzuwarten, wie die angekündigte Adaption des ersten Buchs als Comic funktionieren wird. Dann muss der Comic im direkten Vergleich bestehen können, ob das gelingt hab ich noch einige Zweifel. Vielleicht wäre es besser, wenn man sich weiterhin für den Comic eigene Geschichten ausgedacht hätte. Genug Stoff hätte es mit Sicherheit gegeben.

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Videos zu Splitter-Comics bei youtube!

Auf ihrer Homepage haben die Splitter ja schon länger zu ausgewählten Serien Trailer-Videos angeboten. Seit neuerem gibt es bei youtube einen Kanal für diese Videos, auf dem man sie abonnieren und kommentieren kann.

Hier der Link zum youtube-Kanal des Splitter-Verlags:

Splitter-Youtubekanal

Und hier mal ein Video zur Einstimmung:

[youtube 1vUmIS0fNXA]

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Wunsch erfüllt

Welten von Dugeons & Dragons Bd. 2

Welten von Dugeons & Dragons Bd. 2

Das Beste aus den Welten von Dungeons & Dragons Band 2

Übersetzung: Oliver Hoffman & Astrid Mosler
Verlag: Panini Comics

Und gleich noch ein Sammelband, dieses Mal mit Geschichte aus den Dungeons & Dragons Welten. Bei der Besprechung des ersten Bandes hatte ich mir ja gewünscht, das nächste Mal auch eine Geschichte aus Ravenloft zu lesen und siehe da, schon wird der Wunsch erfüllt. Daß in dieser Geschichte der untote Ritter Lord Soth, den Fans auch aus Drachenlanze kennen, ist keine wirklich Überraschung, da dieser sicher die bekannteste Figur in diesem Universum ist. Erzählt wird die Geschichte eines ungewöhnlichen Würfelspiels, an dessen Ende man sich nicht sicher sein kann, wer nun gewonnen und wer verloren hat. Da Ravenloft von dne D&D-Welten den stärksten Horror-Bezug hat, geht auch diese Geschichte stärker in diese Richtung als die anderen Geschichten, die klassische Fantasy-Storys sind. Sowohl die Forgotten-Realms- als auch die Drachenlanze-Geschichte beschäftigen sich wieder mit einigen der bekannten Figuren aus diesen Welten, was den Geschichten nicht wirklich gut tut, beide bleiben dabei sehr konventionell und erzählen altbekannte Szenarien, die man als Fantasy-Leser schon in- und auswendig kennt. Trotzdem für Fans lohen sich beide Geschichten durchaus.

Wesentlich interessanter sind auch in diesem zweiten Band die Geschichte aus Eberron und die Ravenloft-Story. Diese beiden Welten haben einfach den Vorteil, nicht bereits so gründlich literarisch abgegrast zu sein wie ihre beiden berühmteren Kollegen und keine klassischen Fantasywelten zu sein, so daß man hier als Autor noch die Möglichkeit hat, eigene Akzente zu setzen und interessante Geschichten zu erzählen. Diese müssen ja nicht unbedingt originell sein, ein neuer Betrachtungswinkel auf eine bekannte Geschichte reicht ja schon.

Auch dieser zweite Band mit D&D-Geschichten enttäuscht die Erwartungen der Fans nicht. Forgotten-Realms- und Drachenlanze-Fans werden mit Geschichten ihrer Lieblingsfiguren bedient und die breiter interessierten Fantasy-Fans können sich über die Ravenloft- und die Eberron-Geschichte freuen.

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Aufmarsch der Monster

Legion of Monsters

Legion of Monsters

Max: Legion of Monsters

Übersetzung: Michael Strittmatter
Verlag: Marvel Deutschland, Panini

Marvel hat schon immer Horror-Comics veröffentlicht, den Fans werden da sicher sofort mindestens »Tomb of Dracula« oder Man-Thing einfallen. In diesem Band wurden nun acht in sich abgeschlossen Geschichten mit den bekanntesten Marvel-Monstern veröffentlicht und so kann man sich neben den zwei schon erwähnten auf ein Wiedersehen mit Frankensteins Monster, dem Werwolf, dem Vampir Morbius, Draculas Tocher Lilith,, dem Zombie Simon Garth, der Dämonentochter Satana und der lebenden Mumie freuen.

Erfreulicherweise setzt kaum eine der Geschichte auf grobe Schockeffekte, stattdessen werden sehr ruhige Geschichten erzählt, die auf subtilen Horror setzen und sich mit Themen wie Drogensucht oder Umweltverschmutzung beschäftigen. Am konventionellsten erzählt sind dabei noch die Geschichten mit Satana und Draculas Tochter Lilith, alle anderen zeigen neben einer guten Geschichte auch noch ungewöhnliche Zeichenstile, die die Besonderheit der Stories nur noch unterstreichen. Der größte Fehler in diesem Band ist dann auch konsequenterweise, als Abschluss eine klassische Geschichte mit Morbius, dem Ghost Rider, dem Werwolf und Man-Thing zu bringen, der man gerade im Vergleich zu den modernen Storys ihr Alter ganz extrem anmerkt, da hätte man besser noch eine neue Geschichte in diesen Band voller Horror-Comics auf einem ganz hohen Niveau packen sollen.

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